Theater

Fritz Katers „We are Blood“ am Gorki

WeAreBloodEin Stoff wie für eine TV-Soap: Karrierefrau Anfang 30 kehrt in ihr altes Heimatdorf (Ost) zurück, um ihren schwer verunglückten kleinen Bruder zu pflegen, verliert deswegen ihren Job und wird von der Vergangenheit in Gestalt ihrer beiden Jugendlieben eingeholt. Reicht noch nicht? Na gut: Der eine Verflossene, Tom,
ist Bauingenieur und soll für ein neues Projekt eine Kranich-Wiese platt machen, die der andere, Rafael, waschechter Öko und Umweltschützer, zu beschützen versucht. Während der eine (Max Simonischek) phallische Kupferohre jongliert, um die Verflossene zu beeindrucken, spricht der andere (Carlo Liubek) beim Date mit den Kranichen.

Das ist nicht die Ankündigung in der „Hörzu“ für einen Sat-1-Film sondern ein Handlungsstrang des neuen Stücks von Fritz Kater, alias Armin Petras, der es jetzt am Maxim Gorki Theater uraufgeführt hat. Das Ganze heißt dann auch nicht irgendwie schnulzig „Die Liebe einer Schwester“, sondern ganz cool „We are Blood„, basiert auf Studien im Brandenburgischen Wittenberge und verhandelt die triste Vergangenheit, noch tristere Gegenwart und vermutlich nochmal tristere Zukunft des Ostens. „Keine Helden – nirgends„, gibt Peter Kurth gleich zu Beginn als feist-fröhlicher DDR-Minister, die Moskowskaya-Flasche schwenkend die Richtung vor.

WeAreBloodAuf der Bühne: Stoff-Puppen, Klinikbetten, lebensgroße Plastik-Tiere, Mull-Binden und Moby-Dick-Unterhosen. Öko Raffi entsteigt einer schleimigen Ursuppe, verheddert sich in den Seilen, die zuvor als Mauerfall-Metapher zu Boden gefallen sind. Julischka Eichel parodiert als Karriere-Tussi Lisa Frauenzeitschriften:
„Ich bin gern Single, ich fahre Mountain-Bike“. Max Simonischek darf beweisen, dass auch Männer gebärfähig sind: „Es ist eine Hantel“. Stilsicher wechselt dieser klug beobachtete Realitäts-Remix zwischen Konkretem und Abstrakten – obwohl oder weil die Story jede Menge Kitschfallen wie krebskranke Kinder (großartig: Regine Zimmermann), verliebte Krankenschwestern (Hilke Altefrohne) und mehrfach verheiratete Männer bereit hält. 

Text: Björn Trautwein
Fotos: Bettina Stöß

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Termine: We are
Blood

im Maxim Gorki Theater, u.a. am 26.5., 19.30 Uhr

INTERVIEW MIT ARMIN PETRAS ÜBER WE ARE BLOOD

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