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„Front“ eröffnet die Autorentheatertage im Deutschen Theater

Bei einer Veranstaltung, die pünktlich den Konjunkturen des Betroffenheitsbetriebs zum 100. Jahrestag des Beginns des 1. Weltkriegs folgt, droht eine Pflichtübung für Schulklassen mit der wenig überraschenden Botschaft: Krieg böse. Erst recht, wenn Perceval mit Schauspielern der damaligen Feindstaaten Frankreich, Belgien, England, Deutschland die so konsensfähigen wie gut abgehangenen Antikriegsromane „Im Westen nichts Neues“ auf deutscher und „Le Feu“ auf französischer Seite mit Zeitdokumenten montiert. Der Gefahr pädagogisch korrekter Gedenkpflichterfüllung entgeht Perceval mit einem präzise geführten Ensemble, das zwischen erzählenden Partien und kurzen Spielmomenten wechselt – das gute, alte epische Theater funktioniert nüchtern und darum überzeugend als Vehikel zur Geschichtsvergegenwärtigung.

Weiterlesen: Mit den Autorentheatertagen sucht das Deutsche Theater nach
spannenden Gegenwartsstücken.

Die Textmontage löst die Totale des Grabenkriegs in lauter Einzelbilder, Einzelszenen auf. Perceval weiß, dass Krieg im Theater ohnehin nicht abbildbar ist, also zeigt er keinen Schützengrabennaturalismus, sondern ein Wortkonzert, das die Theatersituation ausstellt. Das sorgt für die nötige Verfremdung und Distanz. Erfreulicherweise ist das von der üblichen Ironie so frei wie von gefälligem Pazifismus-Appeal oder spätexpressionistischen Ausläufern eines Oh-Mensch-Pathos.

Text: Patrick Wildermann

Foto: Armin Smailovic

Front Deutsches Theater 5.6., 20 Uhr, Karten-Tel. 28 44 12 21

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