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„Funkstation Sehnsucht“ – Kurzopern von Boris Blacher im HAU 2

Funkstation SehnsuchtZwar ist der Komponist Boris Blacher (1903– 1975) heutzutage ein wenig aus der Mode geraten, aber unmodern ist er deswegen noch längst nicht. Das Werk des langjährigen Präsidenten der West-Berliner Musikhochschule ist so reichhaltig wie vielfältig und umfasst nahezu alle Gattungen. Auch Kurzopern sind dabei, von denen die K.O.- Projektreihe, in der Hochschulen und Theater, Studierende und Profis zusammenarbeiten, nun drei im HAU 2 vorstellt.
Sie werden unter dem Titel „Funkstation Sehnsucht“ zusammen mit der Jungen Philharmonie Brandenburg interpretiert. Kurz, knapp und konzentriert bringen diese das Genre Oper als Schnittstelle von Orchester, Gesangssolisten und Chor auf den Punkt und fächern ein atemberaubendes Spektrum an großen Gefühlen und wildem Denken auf. In „Abstrakte Oper Nr. 1“ etwa wollen sich elementare Emotionen wie Liebe, Wut und Trauer ausdrücken – doch kaum werden sie artikuliert und auf diese Weise fixiert, wirken sie bloß alltäglich banal. „Die Flut“, ursprünglich als Rundfunkoper komponiert, führt vier Personen bis Unterkante Oberlippe in eine nasse Extremsituation. Alle wollen, vom Meer bedrängt, ihr Leben ändern – und können sich selbst trotzdem nicht entfliehen.
In „Ariadne“ lässt sich schön beobachten, wie offen Boris Blacher stets für neue künstlerische Entwicklungen war und ab 1960 auch elektronische Musik in sein Schaffen einbezog: Allein auf einer Insel, wird Ariadne von den Furien ihrer Vergangenheit und ihres Unbewussten bedrängt. Obwohl bevorzugt atonal geschrieben, sind Blachers nobel-raffinierte, manchmal ironische, nie pathetische Werke so gut wie gern zu hören und auf der Bühne zu sehen.  

Text: Irene Bazinger
Foto: Björn Struck


Funkstation Sehnsucht – Drei kurze Opern von Boris Blacher

HAU 2, ?4.,5.,6.10., 20 Uhr, Karten: 25 90 04 27

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