Tanz

„Gala“ kommt noch einmal ins HAU

Original und Imitation: Jérôme Bels hinreißendes Gruppenstück Gala kommt noch einmal ins HAU
Foto: Dorothea Tuch

Annemie Vanackere, die Intendantin des HAU, reagiert sehr lässig auf die nahende Übernahme der Volksbühne durch ihren belgischen Landsmann Chris Dercon. Einerseits konkurrieren sie im weiten Feld der performativen Künste; und das bei einer ungleich üppigeren finanziellen Ausstattung auf Seiten Dercons. Andererseits macht Vanackere diesen Job schon etwas länger, sehr viel professioneller und glaubwürdiger als der Theaterintendantenberufsanfänger Dercon. Der kündigte an, dass die Choreografin Mette Ingvartsen Hausregisseurin an der neuen Volksbühne wird. Kein Problem, dann zeigt das HAU zu Jahresbeginn halt eine üppige Ingvartsen-Werkschau – wer braucht dann noch Dercon? Dercon umwirbt angeblich (erfolglos) die Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker; das HAU zeigte im Februar ein faszinierendes Stück von und mit ihr. Dercons Team ist stolz auf die Idee, ein lustiges, ziemlich altes Stück des Konzept-Choreografen Jérôme Bel auszugraben. Das HAU ist schon lange mit Bel befreundet und hat sein schönes Stück „Gala“ sehr erfolgreich immer wieder mal im Repertoire. Schon jetzt wirken Dercons Programmvorhaben in Teilen wie eine schwache Imitation des HAU-Spielplans. Was daran der von Dercon-Fans wie dem schrulligen Tim Renner, dem Feuilleton-Chef des „Tagesspiegels“ oder dem Helene-Fischer-Fan Jens Balzer gern beschworene frische Wind sein soll, ist rätselhaft, aber vielleicht ist ihnen in den letzten Jahren ja entgangen, was im HAU so gespielt wird. Diese Ignoranz wäre ein Fehler, schließlich sorgen HAU-Besuche immer wieder für schöne Gehirn-Umkrempler. Jetzt kommt „Gala“, laut Bel „ein Abend für Jung und Alt“ (also auch für den verdienten Pop-Veteranen Balzer) zum fünften Mal in unser Kreuzberger Lieblingstheater.

Gala im HAU 1 Mi 5.4. + Mi 12.4., 19 Uhr, Eintritt 7,15–22 €

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