Theater

Gastspiel: „Built to last“ von Meg Stuart

BuiltToLastEigentlich hätte man nicht geglaubt, dass das gut gehen könnte. Meg Stuart packt 15 große Werke der Musikgeschichte in ein kleines, gerade mal eineinhalbstündiges Tanzstück. 15 Kompositionen, die so große Themen wie die Ideale und Utopien der Menschheit verhandeln. Beethoven und Rachmaninow kommen zu Gehör, Bruckner, Lachenmann und Meredith Monk. Es ist eine absurde Mischung. Aber „Built to last“, das als Koproduktion mit den Münchener Kammerspielen entstanden ist und jetzt zum zweiten Mal ins HAU kommt, ist genau deswegen auch ziemlich grandios. Als groteske Gliederpuppen zeigen sich zunächst die fünf Performer, die nur mit ihren Ellbogen ein fantastisches Ballett aufführen.

Später werden von der Bühnendecke herabhängende Kugeln zu kreisen beginnen, zu Musik von Meredith Monk werden sich neue Universen öffnen. Zu Rachmaninow kämpfen alle tapfer gegen das Pathos an, versuchen es zu ironisieren und können sich schließlich doch nur der Musik ergeben. Was will man schon ausrichten gegen Werke, die für die Ewigkeit gemacht sind?
„Built to last“ ist witzig, komisch und anrührend – und gerade, weil die Performer so unspektakulär daherkommen, kann all das Große und Spektakuläre wunderbar durch sie hindurchfließen. Etwa wenn eine der Performerinnen, Anja Müller, mit göttlicher Merkurkappe ausgerüstet in den Bühnenhimmel aufsteigt, um ein wenig Ball mit den herabhängenden Kugeln zu spielen, mit unbeirrbar ihre Bahnen ziehenden Planeten. Aber während Müller mit großen Gesten (Charlie Chaplin lässt grüßen) so tut, als könne sie diese Planeten halten und werfen, wird das Podest, auf dem sie steht, tatsächlich von ihren Mitspielern hin- und hergeschoben. Der eigentliche Spielball ist sie, ein kleiner, sterblicher, verkleideter Mensch.        

Text: Michaela Schlagenwerth
Foto: Chris Van der Burght

Built to last
HAU 2,
Mo 27.5 – Mi 29.5., 20 Uhr,
Karten-Tel. 25 90 04 27

 

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