Theater

Gastspiel der Cape Town Opera in Berlin

Porgy__Pat_Bromilow_DowningIn Südafrika wissen sie alle, was mit der Abrissbirne gemeint ist. Wie eine riesige silberne Christbaumkugel hängt sie vom Schnürboden – ein Menetekel für die Zwangsumsiedlung der Schwarzen in entlegene Town­ships, mit der sich die weiße Regierung Südafrikas in den 70er Jahren das Apartheidproblem zumindest räumlich vom Hals schaffen wollte. Schon in der ersten Szene von „Porgy and Bess“ schwingt diese Kugel in der Inszenierung der Cape Town Opera angriffslustig zwischen zwei Mau­er­resten hin und her, und am Ende der Oper wird sie für ein ähnlich symbolträchtiges Bild noch einmal auftauchen: Wenn sich der Krüppel Porgy nach New York aufmacht, um seine Bess wiederzufinden, hangelt er sich am Seil der Abrissbirne hoch und steht zum ers­ten Mal auf eigenen Füßen. Der Widerstand gegen sein Schicksal hat ihn stark und selbstständig gemacht. Und auch dieses Schlussbild kann das heimische Publikum von Kapstadts Oper ohne große Probleme auf seine eigene Situation beziehen. Denn so offen, wie Gershwin die Frage lässt, ob Porgy letztlich sein Ziel erreichen wird, so offen ist derzeit auch die Zukunft Südafrikas.

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Wie der Held von Gershwins Oper steht das Land 14 Jahre nach Ende der Apartheid auf schwankenden Beinen: Korruption, Kriminalität und Krisen, dazu noch die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen prägen den Alltag. Happy End ungewiss. Nein, es braucht wirklich keine großen szenischen Verrenkungen, um Gershwins 1935 uraufgeführte Oper aus den Südstaaten der USA ans Kap zu verlagern und die berühmte Cat Fish Row von Charleston bis in die Townships zu verlängern. „Drogen, Kriminalität, der Terror der weißen Polizei, mit diesen Eindrücken sind wir alle groß geworden“, erklärt Xolela Sixaba, der auch beim Gastspiel an der Deutschen Oper den Porgy singt. Sixaba war Mitte der 90er Jahre einer der ersten schwarzen Sänger, die nach dem Fall der Rassen­gesetze auf Kapstadts Opernbühne standen. Und wie fast alle in der Truppe kam er durch das Singen in einem der Community Choirs eher zufällig zu Verdi, Puccini und Gershwin …

Ort und Termine

Mehr über Opersänger Xolela Sixaba und die Aufführung von „Porgy and Bess“ in der Deutschen Oper erfahren sie in der aktuellen Tip-Ausgabe 15/08

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