Theater

Gayle Tufts an der Komischen Oper

gayle_tufts_Herzogin_von_Chicago_c_FabianMaerz_focolocostudiosFrau Tufts, in Emmerich Kбlmбns „Herzogin von Chicago“ spielen Sie eine Milliardärstochter. Das wollten Sie schon lange, oder?
Wieso „spielen“? Sein!

Operette gilt oft als tantenhaft und trutschig. Sind Sie tantenhafter geworden oder die Operette moderner??
Die Operette ist moderner geworden. Und: Modern trifft Altmodisch, das machen wir doch immer in unserem Beruf! Ich liebe das „Great American Songbook“, das nicht jünger ist als „Die Herzogin von Chicago“. Es ist immer Altes, das wiederkommt.

Sie müssen diesmal „richtig“ singen. Können Sie das?
Operette ist nicht mein Fach, das stimmt. Aber Kбlmбn war in den 30er-Jahren pures Entertainment. Ich selber wurde gut ausgebildet in New York. Dies Geld muss sich doch irgendwie rentieren.

Waren Sie in New York erfolgreicher als Kбlmбn während der Emigration?
Ja, denn „Die Herzogin von Chicago“, in Wien uraufgeführt, hat es trotz vieler Versuche nie nach New York geschafft. Mein letzter Auftritt dort war im Lincoln Center in der Philip-Glass-Oper „The Mysteries or What’s so funny?“. Wenn ich heute in New York Karriere machen wollte, müsste ich mich völlig neu erfinden. Denn, im Vertrauen: Deutsch ist dort die unhipste Sprache – gleich neben Farsi und Mandarin.

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Führt Intendant Barrie Kosky bei der konzertanten Aufführung heimlich Regie?
Klar. Barrie Kosky würde nichts rauslassen, wo er nicht selber Hand angelegt hat. Ich bewundere ihn, weil er ganz unterschiedliche Genres, das Ernste und das Witzige, wieder zusammenbringt. Genau richtig für mich. Ich war meist die komische Figur in ernsten Stücken.

Vor Ihrem letzten Bühnenprogramm haben Sie stark abgenommen. Wie viel??
33 Kilo. Und es ist so geblieben. Nachdem meine Mutter starb, habe ich die ersten zehn Kilo weggeschlafen und weggeheult. Der Rest war Sport und Ernährung.

Interview: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Fabian Maerz / focoloco studios

Die Herzogin von Chicago Komische Oper Berlin, So 22.12., 19 Uhr; Mo 30.12., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 47 99 74 00

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