Theater

„Geister in Princeton“ im Renaissance Theater

Torsten Fischers rustikale Inszenierung mit vielen Fernseh-Routiniers im Renaissance Theater führt die Schwächen von Daniel Kehlmanns Stück „Geister in Princeton“ über den genialischen Mathematiker  Kurt Gödel recht deutlich vor: Die Figuren, zusammengeschraubt aus Gödel-Theoremen, Schrulligkeiten und Klischees, bleiben holzschnittartig und stehen in ihren dunklen Anzügen recht verloren vor der rückwärtigen Spiegelwand herum. Kehlmanns Kniff, Gödels Theorie, Reisen durch die Zeit seien möglich, durch den verdreifachten Gödel zu illustrieren – als Mann, als Kind, als Alter Ego – wirkt längst nicht so atemberaubend wie Gödels Theorien.

Heikko Deutschmann als Gödel versteht sich auf die Kunst des Mit-den Händen-Fuchtelns. Gerd Wameling macht aus Albert Einstein einen senilen Boulevard-Rentner. Einmal sagt Gödels Kollege John von Neumann (Philipp Alfons Heitmann), beeindruckt von der Quanten-Theorie, über die „Natur der Materie“ den schönen Satz: „Je genauer wir hinsehen, desto rätselhafter wird sie.“ Mit Stück und Aufführung verhält es sich genau umgekehrt: Je länger man hinsieht, desto banaler wird es.    

Text: Peter Laudenbach

Termine: Geister in Princeton
im Renaissance Theater,

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