Theater

Geschichten von hier II.: Kapitulation

GeschichtenVonHier-KapitulationIgnorieren, weglachen oder einfach aufgeben. Der Mensch hat bekanntermaßen viele Möglichkeiten, sich den täglichen Zumutungen und Beleidigungen zu entziehen. Drüber schlafen zum Beispiel. Das praktiziert ein träger Frührentner im Eingangsdialog von Frank Abts „Geschichten von hier II: Kapitulation“. Bei Problemen knackt er einfach weg.
Es ist die erste von einem guten halben Dutzend  Lebensbeichten, die sich alle um dieses Aufgeben, Durchhalten oder Annehmen drehen. Es folgen weitere schräge Figuren: Punksänger, Transvestiten, Heide Simonis.
In zwei Stunden und basierend auf authentischen Interviews des Journalisten Dirk Schneider deklinieren Anna Blomeier, Ulrich Khuon, Michael Gerber gekonnt in wechselnden Rollen die verschiedenen Bewältigungsstrategien der Gescheiterten durch. Mit einer guten Portion Resignation, aber noch mehr exhibitionistisch angehauchtem Sendungsbewusstsein geben sie mit ihrer Aufgabe an: „Man kann ja nicht gegen sich ankämpfen“. Da tanzen zwei trotzig unbeholfen zu „I will survive“.  Ein Fettsüchtiger rechtfertigt seine Magenverkleinerung, peinlich berührt merkt seine Frau da nur an: „Nur weil man am Magen operiert wurde, heißt das nicht, dass der Kopf auch behandelt wurde.“
Den Schluss dieser traurig-eitlen Outings macht der lange Monolog eines Pädophilen, der sich mit seiner Veranlagung auseinandersetzt. Das ist in seiner Ehrlichkeit stellenweise grandios quälend, aber wie das ganze Stück leider auch quälend lang.        

Text: Björn Trautwein

tip-Bewertung: Zwiespältig

 

Geschichten von hier II: ?Kapitulation
?Deutsches Theater – Box, 22.9., 20.30 Uhr

Mehr über Cookies erfahren