• Kultur
  • Theater
  • Gespräch mit Dirk Laucke über sein Stück „Stress“

Theater

Gespräch mit Dirk Laucke über sein Stück „Stress“

Stresstip In Ihrem neuen Theaterstück „Stress“ geht es um Leistungsdruck in den Schulen. Wie sind Sie auf das Thema gestoßen?
Dirk Laucke Eigentlich komme ich durch mein normales Leben, durch Leute, die ich kennenlerne, auf die Stoffe meiner Stücke. Diesmal war es eine Idee des Grips Theaters. Leistungsdruck ist für mich als Thema interessant, ganz direkt, weil ich selber ja auch unter Leistungsdruck stehe. Ich bin typisch für moderne Arbeitsverhältnisse, ich bin im Prinzip derjenige, der sich selber ausbeutet, einfach weil ich das muss als Autor und Freiberufler.

tip Haben Sie für Ihr neues Stück in Schulen recherchiert?
Laucke Die Theaterpädagogen des Grips Theaters haben ja permanent Kontakt in die Schulen. Mit denen war ich in Schulklassen mit zwölf- und dreizehnjährigen Schülern in zwei Realschulen, eine in Zehlendorf, eine in Marzahn-Hellersdorf. Die Kinder haben teilweise Achtstunden-Arbeitstage. In der Schule in Zehlendorf gab es eine Computerklasse, da hatte jedes Kind ein Apple-MacBook, selbst bezahlt, und alle Kinder wussten, bei welchem Kind die Eltern das nicht auf einen Schlag hinblättern konnten, sondern das MacBook in Raten bezahlen mussten. Alleine, dass es alle wissen, wenn jemand weniger Geld hat, sorgt für sozialen Druck.

Dirk-Laucketip Für Zwölfjährige ist klar, dass Geld Menschen sortiert?
Laucke So kann man das sagen. Interessant war auch, wofür die Kinder lernen. Es ging nicht so sehr darum, etwas wirklich wissen zu wollen, etwas von der Welt zu erfahren oder auch einfach mit anderen in der Schule eine gute Zeit zu haben. Als wir die Kinder in Zehlendorf gefragt haben, kamen vor allem die sozial gefälligen Antworten: Gute Noten sind für die Karriere wichtig, wer will schon Hartz IV, wer will schon auf die Hauptschule und später in Kreuzberg landen … In Hellersdorf gab es vor allem die Angst vorm Abstieg in die Hauptschule, samt Gruselgeschichten, dass man auf der Hauptschule immer verprügelt wird und mit gebrochenen Armen nach Hause kommt. Die waren alle viel mehr an Leistung orientiert als an ir­gendwelchen Spielen oder Träumen. Da ist immer noch viel kindliches Potenzial, aber mein Eindruck war, dass das in diesem Schulsystem flöten geht. Andererseits: Einer hatte eine Band und hat am meisten von seiner Band erzählt.

tip Warum ist das Grips Theater für Sie ein guter Partner?
Laucke Zum Beispiel, weil sie mit Theater in die Gesellschaft eingreifen wollen, das ist schon Phase. Bei meinem ersten Stück für das Grips („Hier geblieben!“), das ich gemeinsam mit Magdalena Grazewicz und Reyna Bruns geschrieben habe, ging es um den konkreten Fall eines Mädchens, das abgeschoben werden sollte. Auch durch die Grips-Kampagne konnte die Abschiebung verhindert werden.

Interview: Peter Laudenbach
Fotos: David Blatzer/Bildbuehne, Karoline Bofinger

Termine: Stress
im Grips Theater, z.B. Do 11.2., 19.30 Uhr, Fr 12.2., Mo 22.2., 18 Uhr, Di 23.2., Mi 24.2., 11 Uhr

weitere Interviews:

INTERVIEW MIT DEM ARCHITEKTEN VON SCHLINGENSIEFS OPERNHAUS IN AFRIKA

INTERVIEW MIT NICOLAS STEMANN

INTERVIEW MIT KATHARINA THLABACH ÜBER „DER BARBIER VON SEVILLA“

HANS NEUENFELS ÜBER SEINE „LEAR“-INSZENIERUNG AN DER KOMISCHEN OPER

FRANK CASTORF ÜBER DIE VOLKSBÜHNE UND SEIN NEUES STÜCK „OZEAN“

KURT KRÖMER ÜBER SEINE GALA „PIMP MY GHETTO“

FALK RICHTER ÜBER „TRUST“ AN DER SCHAUBÜHNE

THEATER UND BÜHNE IN BERLIN VON A BIS Z

 

Mehr über Cookies erfahren