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„Giulio Cesare in Egitto“ an der Komischen Oper

„Julius Cäsar in Ägypten“, das war 1993 ein Händel-Urknall an der Komischen Oper, inszeniert als Counter­tenor-Zickenkrieg mit gleich drei Cleopatras auf der Bühne (darunter Jochen Kowalski als Cäsar und Axel Köhler als notgeilem Tolomeo). Die Händel-Renaissance erhielt damals (in Harry Kupfers Regie) kräftigen Anschub. Wenn die Komische Oper jetzt, nach über 30-jähriger Händel-Tradition, erstmals auf ein Stück zurückkommt, das man schon mal gemacht hat – allerdings diesmal ganz ohne Counter­tenöre und auf Italienisch – so sagt das zweierlei: Man will es ganz anders machen. Und: Man will es billiger machen.

Cäsar (Dominik Köninger), Cleopatra (Valentina Farkas) und Tolomeo (Anna Bernacka) können mehr oder weniger aus dem Ensemble besetzt werden. Freilich, genauso klingt’s auch. Die Koloraturen kullern, klötern, klumpen. Nicht ganz so, wie man das heutzutage erwartet! Dabei sorgt Konrad Junghänel im Graben für ein Höchstmaß an Geschmeidigkeit und Flexibilität. Ohne ihn liefe der Abend auf Grund.
Regisseurin Lydia Steier
, der vorher mit der Kinderoper „Des Kaisers neue Kleider“ sowie in Pots­dam mit „Jephta“ schöne Arbeiten gelungen waren, verlegt die (antike) Handlung in die Ent­stehungs­zeit der Oper, ins Barock. Altbackener Regie­theater-Trick! Drei opulente Prunk­säle, außerdem Krokodil-Vitrinen, Rokoko-Schaukeln und ein Gold-Phaeton erdrücken als Dekor fast jeden Deutungs­ansatz. Fast hat man den Ein­druck, als solle die Merchant-Ivory-Wende in der Oper eingeläutet werden – ganz, als wolle der literarische Historienfilm vom Musik­theater Besitz ergreifen. Eine Zierde fürs Abonnement. Nur kann man die freiwillig eingegangene Konkurrenz zur Staatsoper (und damit zu Renй Jacobs) musikalisch nicht einlösen. Herausgekommen ist ein hübsches, aber schwerfälliges Hybrid, das mit fast vier Stunden Aufführungs­dauer kein Ende nimmt.


Text:
Kai Luehrs-Kaiser

Komische Oper Sa 27.6., Sa 4.7., Do 9.7., 19.30 Uhr, ?Karten-Tel. 47 99 74 00
33555

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