Theater

„Gladow-Bande“ im Maxim Gorki Theater

gladowBande_c_BettinaStoessWenn es im Theater lässig und unpeinlich lustig zugeht, sorgt das zumindest für gute Laune, wenn auch nicht zwangsläufig für gesteigerte Relevanz. So ein folgenlos beschwingter Abend ist Jan Bosses Uraufführung der „Gladow-Bande“ am Berliner Maxim Gorki Theater. Das Stück ist auch ein Berlin-Abschiedsgruß des kommende Spielzeit nach Stuttgart wechselnden Gorki-Intendanten Armin Petras, der als nebenberuflicher Dramatiker eine beängstigende Produktivität an den Tag legt. Einzig Renй Pollesch dürfte unter den ernst zu nehmenden Gegenwartsdramatikern einen ähnlich hohen Text-Output erreichen. Mit seinem neuen Stück über eine Bande jugendlicher Krimineller, die im Berlin der Nachkriegsjahre spektakuläre Raubüberfälle verübte, setzt Petras ein zentrales Thema seiner Gorki-Jahre fort, die Exkursion in die Stadtgeschichte. Wie Thomas Brasch, der 1981 mit dem Film „Engel aus Eisen“ der Gladow-Bande ein arg verschwurbeltes Denkmal setzte, ist Petras vom Anarcho-Appeal der Trümmerstadt-Al-Capones fasziniert: Gangster-Romantik als eine Form proletarischer Revolte gegen alle staatlichen Ordnungssysteme. Aber wo Brasch bedeutungsschwere Kunst machen wollte, setzen Regisseur Bosse und seine spielfreudigen Darsteller auf unkompliziertes und schwer berlinerndes Hau-Drauf-Theater.

Im Zentrum steht weniger der 1950 hingerichtete Werner Gladow (Johann Jürgens) als sein Kumpan Diamanten-Sohni (Milan Peschel), der sich heute, mit über 80, als überlebendes Bandenmitglied an die kriminellen Abenteuer seiner Nachkriegsjugend erinnert. Milan Peschel bedient dabei gnadenlos alle Klischees des renitenten Berliner Proleten, also des Rollenmusters, das er am besten beherrscht. Aber weil er das mit aufgekratzter Nöligkeit und unter konsequentem Verzicht auf unnötige Subtilitäten abliefert, sieht man ihm dabei ebenso gerne zu wie Sabine Waibel, die als Gladows Mutter wie als Gattin des Scharfrichters Völpel das Vergnügen an der grob gezeichneten Berliner Härte vorführt. Vielleicht sollte Petras die Inszenierung als Berlin-Export nach Stuttgart mitnehmen, um den Schwaben gleich zu Beginn zu demonstrieren, dass es sich bei seinem Theater nicht unbedingt um eine gutbürgerlich kultivierte Veranstaltung handelt, die fest auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht.   

Text: Peter Laudenbach

Foto: bettina Stöß

tip-Bewertung: Annehmbar

„Gladow-Bande“ Maxim Gorki Theater, Mi 10.4., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 20 22 11 15

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