Theater

„Glaube,Liebe, Hoffnung“ im Maxim Gorki Theater

Glaube_Liebe_Hoffnung_foto_Thomas_AurinDann wäre das Beziehungsdesaster mit dem stotternden Polizisten (Michael Klammer), dem man den Korinthenkacker schon zehn Meter gegen den Wind ansieht, nämlich gar nicht erst passiert, und Elisabeth hätte sich den anschließenden Suizid sparen können. Tatsächlich kocht der junge Regisseur Ronny Jakubaschk Horvбths Tragödie einer jungen Frau, die infolge einer eher frommen Notlüge zur Kriminellen deklassiert und bei jedem Neustartversuch dank sensationsgeiler Kleinbürger von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, auf eine Frage des unzureichenden Männergeschmacks herunter. Was bei Horvбth als beklemmende Fallstudie zum Übermut der Ämter und zum Breitensport Sozialspitzelei daherkommt, wird bei Jakubaschk zur herzzerreißenden Lovestory bei leider schlechtestmöglichem Ausgang in niederen Einkommensklassen. Beziehungsmotto: Wir Romantiker da unten gegen euch gefühlskalte Profiteure da oben! Unter diesen Umständen ist es dann – wer wollte der goldigen Elisabeth das verdenken – natürlich auch wirklich ein Hammer, wenn der Geliebte plötzlich überläuft und das schöne Weltbild mit seinen staatsgewaltigen Polizistenstiefeln kaputt tritt! Quasi mit der Finanzkrise im Aktualitätsgepäck versetzt Jakubaschk den Plot recht unreflektiert in ein diffuses Heute, indem er besonders eingängige Horvбth-Sätze über die Ohnmacht der unteren und die Deutungsmacht der oberen Einkommensklassen eben besonders eingängig über die Rampe deklamieren lässt. Alles in allem ein komplettes Missverständnis und eine mustergültige Lose-lose-Situation: für den Regisseur, für die Schauspieler und fürs Publikum.

Text: Christine Wahl

Foto: Thomas Aurin

Tip-Bewertung: Uninteressant


Glaube, Liebe, Hoffnung

Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, Mitte,
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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