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Gob Squad spielen in der Volksbühne „Revolution Now!“

revolutionDie Kamera im Schlepptau fragt sie ihn aufgekratzt, ob er ihr nicht dabei behilflich sein wolle, die Revolution in Gang zu setzen. Je energischer sie auf ihn einplappert, desto schweigsamer wird er. „Was Sie da reden, ist völlig konfus“, sagt er noch, bevor er das Weite sucht. Die Passantenbelästigerin ist nicht von einem Privatsender oder aus einer Selbsthilfegruppe therapieresis­tenter Plaudertaschen, es ist Berit Stumpf von der Performer-Gruppe Gob Squad.

Ihre Suche nach revolutionsinteressierten Fußgängern wird live in die Volksbühne übertragen und ist Teil der neuen Gob-Squad-Show unter der Parolenüberschrift „Revolution Now!“ Leider gilt die Diagnose des im Dienst der Performancekunst behelligten Passanten für die gesamte Veranstaltung: Sie erschöpft sich reichlich wirr im Recyceln entleerter Revolu­tions­posen, ein Radical Chic, der mal ironisch, mal eitel, aber immer ziemlich belanglos wirkt. Spätestens wenn Johanna Freiburg auf der Bühne frohgemut ausruft, bei jeder Revolution gehe es doch um die Sichtbarkeit, ist klar, dass es hier ausschließlich darum geht, den eigenen, durch nichts begründeten Narzissmus vorzuführen. Weshalb, logisch, das wichtigste Requisit die Videokamera ist, die jede Aktion abfilmt: Revolution bedeutet offenbar vor allem, Bilder von sich selbst zu vergrößern. Egal, ob Delacroix’ berühmtes Revolutionsgemälde nachgestellt, Dylan malträtiert oder der große Gil Scott-Heron zitiert wird, über das bloße Plündern kommen die hilflosen Performer nicht hinaus. Einmal rufen sie stolz, sie seien Gob Squad, ein „Kollektiv, in dem keiner das Sagen hat“. Bedauerlicherweise hat auch keiner etwas Mitteilenswertes zu sagen.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Thomas Aurin

tip-Bewertung: Uninteressant

Revolution Now!

Volksbühne, Mo 22.3., So 28.3., 20 Uhr; Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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