Theater

„Golem“ in der Neuköllner Oper

Golem

Nicolae Bretan, gestorben 1968, war ein in Rumänien unterdrückter Komponist, der sich geweigert hatte, in die KP einzutreten. Sein „Golem“ handelt von einem mithilfe der Kabbala erzeugten, aus Lehm gebackenen Dämon, der mit der Tochter seines Demiurgen, des Rabbi Löw, anbandelt. Eine Art „Frankenstein“-Geschichte. Der hybride Professor aber ist Schriftgelehrter; es geht nicht um Fortschrittskritik (wie bei Mary Shelley), sondern um das mythisch Verschüttete, das zurückkehrt.
Musikalisch klingt das nach Wagner und Strauss, besitzt zugleich Anklänge an Krбsa, Ullmann und Kurt Weill. Die Breitwandbühne zeigt hyperrealistisch eine Studierstube, eine Dämonen-Nasszelle und das Schlafzimmer der Tochter, die einem Roman der Brontë-Schwestern entsprungen scheint. Reizvoll ist der Abend vor allem aufgrund seiner Verwandtschaft zur Welt von Leo Perutz, Max Brod und Kafka. Im Spielplan der Neuköllner Oper: ein Treffer.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: M.HEYDE, BERLIN

Golem, Neuköllner Oper, Do 2.–So 5.7., 20 Uhr, ?Karten-Tel. 68 89 07 77

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