• Kultur
  • „Grauenvoll“ von ?Peter Laudenbach

Kultur

„Grauenvoll“ von ?Peter Laudenbach

Peter Laudenbach
Der Regisseur und langjährige Münchner Intendant Dieter Dorn sieht aus der Ferne klarer, was der Volksbühne bevorsteht als die Berliner Dercon-Fans. Den Versuch, Castorfs Haus „in ein Welttheater zu transformieren“ nennt Dorn schlicht „grauenvoll“.
In einem spannend zu lesenden Theater-Schwerpunkt der Zeitschrift „Lettre International“ plädiert er klug für ein Theater des Geschichtenerzählens und der „Menschenbeobachtung“  – also etwa das Gegenteil dessen, was er von Dercon erwartet: „Für eine Ansammlung von Events wird ein theatralisches Gehäuse geopfert und ein Ensemble zerstreut.“ Bernd Stegemann, Dramaturg an der Schaubühne, nimmt den Gedanken in einem Essay zur Zukunft des Ensemble-Theaters auf. Das Theater, in dem der Betrieb der Kunst dient (statt umgekehrt), sieht Stegemann vom Eventangebot der von Kuratoren und „Vernetzungskünstlern“ wie Matthias Lilienthal oder Chris Dercon  unter Marketinggesichtspunkten geführten Bühnen bedroht. Das Theater passt sich flexibel, weil entkernt, den Marktbedürfnissen an. Den Gegenpol dieses hippen, glatten Markt-Opportunismus beschreibt, ebenfalls in „Lettre“, Bert Neumann: „Mich hat am Theater gerade interessiert, dass es nicht ums verkaufen geht.“

Lettre International:
?Theater kontrovers, 146 Seiten,  13,90 Euro

Mehr über Cookies erfahren