Theater

„Guest“ im Dock 11

GuestJedes Jahr versuchen Tausende von Nordkoreanern über die Grenze nach China zu fliehen, oft weil es für sie keine Alternative gibt, ihnen sonst der Hungertod droht. In China werden sie nicht anerkannt. Ungefähr 100 000 Nordkoreaner sollen illegal in China leben. Wenn es ihnen nicht gelingt unterzutauchen, werden sie in ihre Heimat zurückgeschickt. Dort warten Umerziehung und Folter, auch mit dem Tod bestraft das Regime den Fluchtversuch.
Ein Bericht, den Amnesty International vor zehn Jahren über das Schicksal dieser Flüchtlinge veröffentlichte, war für die südkoreanische Tänzerin und Choreografin Hyoung-Min Kim und ihren Schweizer Kollegen Tommi Zeuggin Ausgangspunkt für ihr gemeinsames Tanzstück „Guest“, das jetzt im Dock 11 rauskommt. Ihre Ausgangsfrage: Was widerfährt Flüchtlingen – in Deutschland etwa oder der Schweiz. Hyoung-Min Kim und Zeuggin haben in Berliner Asylbewerberheimen mit Flüchtlingen aus dem Irak und Afghanistan und mit Mitarbeitern von Flüchtlingshilfen gesprochen. Aus diesen Recherchen haben sie ihr Stück entwickelt.
„Man kann diese Geschichten nicht auf der Bühne nacherzählen“, sagt Hyoung-Min Kim (30), die selbst vor sechs Jahren von Südkorea nach Berlin zog und unter anderem in der Compagnie von Constanza Macras tanzt. Also haben sie eine sehr abstrakte Bewegungssprache gewählt, um etwas von diesen Leben zu erzählen, von der physischen Gewalt, den Machtspielen und dem unendlichen Warten und Hoffen auf ein anderes Leben an einem sicheren und besseren Ort. „Guest“, sagt Hyoung-Min Kim, „ist der Versuch, Anteil zu nehmen –aber ohne so zu tun, als ob man nun selbst dieses Elend erleben würde.“

Text: Michaela Schlagenwerth

Guest, Dock 11, 16.–18. und 22.–24. Juli, jeweils 20.30 Uhr, Karten unter [email protected] oder telefonisch 448 12 22

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