• Kultur
  • Theater
  • Gute Laune bei „The Producers“ im Admiralspalast

Theater

Gute Laune bei „The Producers“ im Admiralspalast

The ProducersHübsche blonde Mädchen in SA-Uniformen mischen sich auffällig unauffällig unters Publikum, Banner mit Brezel-Logo knattern an der Fassade im Berliner Abendwind und der Hof ist mit Wimpel-Ketten mit Bratwurst-Emblem beflaggt. Alles stilecht in schwarz-weiß-rotem Retro-Nazilook. Und auch die Armbinden (ebenfalls mit Brezel statt Hakenkreuz-Logo) der Kellner sind frisch aufgebügelt.
Stilecht mit Fascho-Folklore ist der Admiralspalast für den Premieren-Abend des Mel-Brooks-Musicals „The Producers“ geschmückt. So viel Drittes Reich war schon lange nicht mehr.

Auf der Bühne ist dann Schluss mit NS-lustig. Denn – und darauf weißt Mel Brooks selbst immer wieder hin – „The Producers“ ist kein Stück über Hitler, sondern eins über die zwei jüdischen Gauner Max und Leo (Cornelius Obonya und Andreas Bieber), die mit der Produktion eines Musical-Flops am Broadway reich werden wollen, indem sie das Geld der Investoren nicht in die Produktion, sondern in die eigene Tasche stecken. Das ergibt eine rasante Broadway-Persiflage, die sich über tuntige Regisseuren, eitle Schauspieler, gierige Produzenten und arschkriechende Assistenten lustig macht. Lange ist das (haken)kreuzbrave Musicalkost. Gekonntes, aber eher biederes Sing-Boulevard – inklusive Türenknallen und Gegen-die-Wand-Gerenne.

The ProducersZur wahnwitzigen Groteske wird es erst bei der Wahl des Flop-Stoffs. Jetzt kommen die Nazis ins Spiel. Denn „die Mutter aller schlechten Stücke“, die die beiden produzieren wollen, ist „Frühling für Hitler“, eine romantische NS-Schmonzette, geschrieben von einem bayerischen Altnazi in Lederhose und Stahlhelm, der seinen Brieftauben auf den Dächern New Yorks den Hitlergruß beibringt.
Über zwei Stunden dauert es, bis dann bei der Premiere dieses „Stücks im Stück“ ein SA-Ballett tanzt und ein Tunten-Hitler (Martin Sommerlatte) die Showtreppe runtertorkeln darf und inmitten einer Hakenkreuz-Choreographie aus tanzenden SS-Männern „Heil mir selbst“ rufen darf und singend Geheimnisse seines Werdegangs verrät: „Früher wollt‘ ich Maler werden, doch ich war kein Dürer – drum wurd‘ ich Führer.“

Text: Björn Trautwein
Fotos: Oliver Hadji/Admiralspalast

(tip-Bewertung: Sehenswert)

The Producers
im Admiralspalast Berlin, Friedrichstraße 101 Berlin Mitte
Bis 19. Juli, Di.-Sa.., 20 Uhr, Sonntags 18 Uhr, Samstags auch 15 Uhr

Mehr zum Thema: The Producers im Überblick

Mehr über Cookies erfahren