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Komödie

Hai-Alarm im trauten Heim: „Alles muss glänzen“ im Theater am Kürfürstendamm

Viel Spaß beim Weltuntergang: Maria Furtwängler spielt in Alles muss glänzen ihre erste Theaterhauptrolle. Kann sie es oder kann sie es nicht?

Rebecca hat kein Glück mit ihren Gästen: Die Nachbarin (Anna Stieblich) zieht es vor, erst ihren Mann und dann sich selbst zu ermorden. Der Einbrecher will Rebecca vergewaltigen, entpuppt sich dann aber als schrulliger Lateinlehrer mit Hang zu intimen Geständnissen: „Ich bin so einsam.“ Und das sind noch die kleineren Probleme, wenn draußen vor dem Küchenfester Haifische vorbeischwimmen. Offenbar ist die Sintflut gerade in vollem Gang. Wir sind im Theater am Kurfürstendamm, gespielt wird „Alles muss glänzen“, eine Weltuntergangskomödie des US-Dramatikers Noah Haidle.

Rebecca, die eisern lächelnde, dauertrippelnde, manisch putzende Hausfrau wird von keiner geringeren als dem Fernsehstar Maria Furtwängler gegeben. Es ist ihre erste große Theaterhauptrolle und ihr zweiter Theaterauftritt überhaupt, es ist also ein großes Abenteuer. Wobei die Frage, ob dank der Theaterschauspielkünste Maria Furtwänglers gelacht wird, oder von bösartigen Menschen nicht vielleicht doch eher über selbige, nicht immer trennscharf zu beantworten ist.

Und, kann sie es oder kann sie es nicht? Nun, sagen wir so: Sie hält sich tapfer. Und das passt ja zweifelsohne zu ihrer Rolle, der tapferen Küchenzeilen-Heroine Rebecca, die sich auch von der durch’s Küchenfenster hereinschwappenden Sintflut nicht von ihren Haushaltspflichten abhalten lässt. Um größere Emotionen auszudrücken, verlässt sich Furtwängler auf das bewährte Gestenrepertoire von Opernsängern, die zwecks Steigerung der dramatischen Spannung gerne weit ausholend mit den Armen fuchteln.
Dass es sich um eine hochtourige Groteske handelt, merkt man dank des gemächlichen Erzähltempos von Ilan Ronens Inszenierung leider erst in der zweiten Hälfte, aber die Pointen sitzen ordentlich. Es ist etwas altmodisches, aber nicht unsympathisches Theater, auch wenn es sich manchmal wie ein dreidimensionaler Fernsehabend anfühlt.

Theater am Kürfürstendamm bis 26.3., Di – Sa 20 Uhr, So 18 Uhr, Eintritt 19–49,50 €

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