Theater

HAL on Earth im Hau 1

RemoteBerlin_c_Stefan_KaegiMit den Worten „This conversation can serve no purpose any more“ beendet der Bordcomputer HAL 9?000 sein Gespräch mit Dave Bowman, dem letzten überlebenden Astronauten in Stanley Kubricks „2001 – A Space Odyssee“. Der Sci-Fi-Klassiker verwandelt eine Jupiter-Mission in den Existenzkampf zwischen Mensch und intelligenter Maschine. Gerade weil der Computer zunehmend „menschlich“ handelt, Fehler macht, Gefühle zeigt, mutiert er zur Bedrohung für die Menschen – und umgekehrt.
HALs sanfte, fast einfühlsame Stimme spielt dabei bedrohlich mit der menschlichen Empathiebegabung. Das fasziniert auch den Regisseur Stefan Kaegi, dessen Theaterarbeiten bei Rimini Protokoll eher aufs Dokumentarische angelegt sind. „Remote Berlin“ ist die erste nicht-dokumentarische Arbeit von Kaegi seit vielen Jahren. Doch natürlich beschäftigt ihn Kubricks fiktive Endzeitfantasie weniger als die tatsächlichen Entwicklungen im Lebensalltag: „Mich interessiert der schleichende Prozess, wie künstliche Intelligenz in unser Leben eindringt: Dass gesellschaftliche Bereiche der Verantwortung von Maschinen übertragen werden.“

„Remote Berlin“ ist eine Space Odyssee, die augenscheinlich festen Berliner Boden unter den Füßen hat. Jeweils 50 Theaterbesucher folgen mit Kopfhörern den Anweisungen einer künstlichen Stimme bei ihrer Tour durch die Stadt. Eine bislang eher von automobilen Navigationssystemen bekannte Praxis. Stadt und Publikum verwandeln sich in einen mobilen Zuschauerraum, der zwischen der U-Bahn-Architektur Möckernbrücke, einer Warteschlange in der Postbankfiliale und einem denkwürdigen Kirchenbesuch ferngesteuert wird. Zu den Orten, die auch der Berliner Stadtplan verzeichnet, treten Assoziations-Räume auf der akustischen Spur. Die Kunststimme und der Soundtrack erfinden eine Landschaft, die zwischen Realität und Fiktion nicht mehr sinnvoll unterscheidet. Genau deshalb stellt sich natürlich immer wieder die Frage, wer da eigentlich spricht. Gefährlich ist künstliche Intelligenz ja nur da, wo sie menschliches Bewusstsein überflüssig macht.

Text: Anja Quickert

Foto: Stefan Kaegi

Remote Berlin Hau 1, Mi 24.4., Do 25.4., Mo 29.4., Di 30.4., Do 2.5., Fr 3.5., 17:30 Uhr, Sa 27.4., Sa 4.5., 12 Uhr, Karten-Tel. 25 90 04 27

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