Theater

„Hans im Glück“ in der Volksbühne im Prater

hansimglueckKurz vor der Premiere hat Frank Castorf die Reißleine gezogen und die Inszenierung des Remakes des Ostrockmusicals „Hans im Glück“ an seinen Hiwi Andreas Merz abgegeben. Das Programmheft weist ihn ominös nur unter dem Stichpunkt „Supervision“ aus. Sich so vor der Verantwortung zu drücken, war zumindest clever. Die Wiederaufnahme des „Rockmärchens“ der Ostberliner Band Pankow aus dem Jahr 1985 – frei nach Grimm – dürfte der Tiefpunkt einer an Tiefpunkten nicht armen Volksbühnensaison sein.

In einer guten Stunde und einem halben Dutzend Songs singen die Pankower ihren DDR-Hans in den biografischen Abgrund: „Von Profitgeiern beklaut“ geht’s „ohne Rast und Ruh dem Untergang zu“. Nachdem er selbst als Geschäftsmann scheitert („Dann zeig ich dir die Tricks, bis du ein Businessmännchen bist“), landet er in der Klapse und weiß am Ende: „Alles Scheiße. Ob in Ost, Süd, Nord oder West.“ Vielleicht war das 1985 im Osten subversiv. Heute ist die bieder-naive Gesellschaftskritik nur noch das jammerige Lamento sich in ihrer Vergangenheit suhlender Versager. Eher peinlich berührt schaut man dem Treiben der „Ostrocker“ zu. Damit das nicht einfach nur ein Konzert ist, hampeln zwischen den Songs ein blonder Hans mit Tirolerhut über die Bühne und ein paar Schauspieler vergleichen die Gagen von Bühnen-Kühen (600 Euro) mit denen von Nachwuchsschauspielern (150 Euro). Wahrscheinlich wundern sie sich selbst, dass für diesen uninspirierten Mist überhaupt jemand Geld sieht.

Im wahren Leben enden die Rockmärchen nicht in der Irrenanstalt, sondern auf der Bühne von subventionierten Stadttheatern, wo man als alter Ostrocker zwar keinen Klumpen Gold, aber immerhin ein kleines Gnadenbrot fürs Reloaden der eigenen Vergangenheit bekommt.
Und dabei ist man sogar eitel genug, die Einschätzung der da­ma­ligen Zensurbehörden über Pan­­kow verlesen zu lassen: „Nicht gut fürs sozialistische Zusammenleben und künstlerisch nicht überzeugend.“ Wie sagt der Ossi? Es war nicht alles schlecht.

Text: Björn Trautwein

Foto: Thomas Aurin

Hans im Glück Volksbühne im Prater, Kastanienalle 7, Prenzlauer Berg, Fr 3.4., 19.30 Uhr
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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