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Hans-Werner Kroesinger über „Schah-in-schah 2011“

KROESINGERtip: Welches dokumentarische Material nutzen Sie für Ihre Inszenierung „Schah-in-schah 2011“??

Hans-Werner Kroesinger: Unter anderem eine Reportage des polnischen Journalisten Ryszard Kapuscinski über die islamische Revolution von 1979. Im Iran herrschte damals Wirtschaftsboom. Schah Mohammad Reza Pahlavi verdiente Milliarden mit seinen Öl-Geschäften. Er sprach immer von der „großen Zivilisation“ ? das Volk erlebte das aber als große Demütigung, einfach weil es nicht partizipierte. Eine andere wichtige Perspektive auf die politischen Ereignisse stammt von Michel Foucault, der im Herbst 1978 zweimal in den Iran reiste und für den „Corriere della Sera“ berichtete. Sein Interesse war, eine Revolution im Werden zu beobachten, auch im Umschlag in den Terror.

tip: Was machte Khomeini und den religiösen Fundamentalismus 1979 für viele Iraner so attraktiv??

Kroesinger: Zuerst eine simple Botschaft: Der Schah muss weg. Darauf konnten sich alle Bevölkerungsgruppen verständigen, auch die Kommunisten. Khomeini war der erste religiöse Führer der Schiiten, der sich als Staatsmacht verstand und auch so inszenierte. Er – und hier wird mir jeder Anhänger Khomeinis widersprechen – instrumentalisierte die Religion und ihre auch revolutionäre Kraft. Womit niemand gerechnet hatte zum Zeitpunkt der Revolution, ist ihre Entwicklung. Eine Massenbewegung mit vielen unterschiedlichen gesellschaftlichen Kräften verschwindet einfach, fast ohne Widerstand, denn Khomeini konnte sich unmittelbar auf Gott berufen.

tip: Was hat die islamische Revolution von 1979 mit dem arabischen Frühling 2011 zu tun??

Kroesinger: Vor zwei Jahren war ich in Kairo bei einem Theaterfestival. Widerstand existierte dort damals als Haltung, aber als politische Handlung schien er nicht einmal denkbar. Jetzt verändert sich die politische Situation unglaublich schnell. Deshalb nehmen wir die historische Revolution im Iran als Spiegel, um diesen Moment von Unsicherheit zu beschreiben, in dem nicht absehbar ist, wie sich eine Gesellschaft nach dem Umsturz entwickelt.

Interview: Anja Quickert

Foto: David Baltzer/bildbuehne.de

SCHAH-IN-SCHAH 2011 HAU 3, Do 27.–So 30.10., 20 Uhr, Karten-Tel. 25 90 04 27

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