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Heiner Müllers „Medeamaterial“ in den DT-Kammerspielen

Dimiter-GotscheffFragt man ihn zu einer beliebigen Uhrzeit an einem beliebigen Ort, was er denn als Nächstes gerne inszenieren würde, grummelt er ein bisschen, dann schweigt er, dann nimmt er vielleicht noch einen Schluck, dann brummelt er wieder und dann sagt er garantiert irgendwann „Heiner Müller“. Kein Regisseur, Heiner Müller eingeschlossen, dürfte so viele Müller-Stücke inszeniert haben wie Gotscheff (Branchen-Name: Gott Chef). Und meistens hat er dabei zusammen mit seinen tollen Schauspielern (Margit Bendokat! Almut Zilcher! Wolfram Koch! Samuel Finzi!) für Müllers hermetische Texte überraschend frische, zwingende szenische Lösungen gefunden. Jetzt inszeniert Gotscheff in den DT-Kammerspielen einen besonders dichten, vielschichtigen, vertrackten Text Müllers: „Verkommenes Ufer / Medeamaterial / Landschaft mit Argonauten“. Es geht um eine Mutter, die ihre Kinder tötet, um Imperialismus seit der Antike, um den „Traum von einem ungeheuren Beischlaf in Chicago“, um „blutbeschmierte Weiber in den Leichenhallen“ und um die Frage, wer das ist: Ich. „Von wem ist die Rede, wenn von mir die Rede geht. Ich, wer ist das. Im Regen aus Vogelkot. Im Kalkfell. Oder anders. Ich eine Fahne ein blutiger Fetzen ausgehängt. Ein Flattern zwischen Nichts und Niemand.“

Dt-Kammerspiele Schumannstraße 13a, Mitte, Tel. 28 44 12 25, Premiere: 12.11.

Foto: Arno Declair

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