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Heitere Schmiere: „Don Juan“ im Hexenkessel Hoftheater

Don-JuanSeine Freunde bezeichnen ihn als „erotomanischen Ego-Exzentriker“, er selbst nennt die Welt eine Resterampe und sich den „größten Schnäppchenjäger aller Zeiten“. Stimmt schon, viel Einfallsreichtum muss dieser Don Juan für seine inflationären Eroberungen nicht aufbieten. Meist bedient er sich dafür aus dem Billigangebot dorfdiscotauglicher Avancen а la „Wie, nur Schulterblätter? Ich hätte gedacht, es müssten Flügel sein“. Und wenn‘s dann immer noch nicht zur Sache gehen sollte, schiebt er im Idiom des beifallgewohnten Vulgärmimen nach: „Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick – oder soll ich etwa noch mal auftreten?“ Warum kompliziert, wenn’s auch schmierig geht?

Jan Zimmermann, der Regisseur des Hexenkessel Hoftheaters, hat Moliиres Lustspiel „Don Juan oder Der steinerne Gast“ in eine schlanke, geschwinde und ziemlich komische 80-Minuten-Version gepackt, die der französischen Vorlage die Sprachzöpfe guillotiniert, kalauernd und lustkeuchend auf unverblümte Stimmungsmache setzt und vor allem im Screwballspiel zwischen dem Herrn Weiberhelden und seinem Knecht Sganarell (sehr slapstickversiert: Carsta Zimmermann) einige Volkstheatermunterkeit entfaltet.
Vor allem aber ist der Don Juan des Matthias Horn nicht ohne sarkastischen Hintersinn: Weniger Frauenvielfraß aus Passion als vielmehr, wie es hier heißt, Raubtier, dem die Beute auflauert. Ein vom eigenen Legendenstatus übersättigter Routinier im Morgenmantel, der gar nicht daran denkt, seinen abgelegten Lieben – etwa der Klosterfrau Donna Elvira (Rebekka Köbernick) – versöhnliche Worte hinterher zu heucheln („Sie hatte ein Gesicht wie Schnee. Es schmolz.“). Zum Zyniker geworden ob des Mittelmaßes seiner Umgebung, weil er nicht fassen kann, wie wenig es braucht, um unter Kretins als König zu gelten.    

Text: Patrick Wildermann
Foto: Bernd Schönberger

(tip-Bewertung: Annehmbar)

Termine: Don Juan
im Hexenkessel Hoftheater, Monbijou Park, bis 11.9., Di–Sa,
19.30 Uhr

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