Theater

„Here / After“ im HAU 1

HereAfterNein, lacht Constanza Macras, sie selbst leide nicht unter Platzangst. Früher mal habe sie viel Zeit mit MTV vor dem Fernseher verbracht und sei wenig aus dem Haus gegangen – doch als Mutter eines kleinen Sohnes könne sie sich das gar nicht mehr erlauben. Jetzt widmet sich die gebürtige Argentinierin nach jahrelanger Beschäftigung mit Megacitys in ihrem neuen Tanzstück am HAU der Agoraphobie, der Angst vor Öffentlichkeit, weiten Plätzen und Menschenansammlungen. Die Konfrontationen, die das Leben in der Großstadt bereithält, der Wechsel von Leere und Gedrängtheiten, Erwartungsdruck und Ängste, den eigenen und fremden Ansprüchen an Selbstinszenierung und Eloquenz nicht zu genügen – das, so Constanza Macras, könne Stresssymptome erzeugen: Panikattacken, Atemnot, Hyperventilation. Die physischen Zustände will sie mit zwei Schauspielerinnen, zwei Tänzern und einem Musiker auf die Bühne bringen.

Als Inspirationsquelle für „Here/After“ diente der Choreografin unter anderem das Internet. Da gibt es natürlich Bestellservices, die es leicht machen, die Wohnung nicht mehr zu verlassen. Es gibt Therapeuten, die jenen Fernheilung versprechen, die sich nicht mehr aus dem Haus wagen. Und es gibt die Geschichte jenes Mannes, der eines Tages von seinen Nachbarn tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde. Auf dem Parkettboden seines Wohnzimmers hatte sich ein Kreis ins Holz geschliffen – der einzige Weg, den er in seiner Einsamkeit über viele Jahre gegangen war. Diese Kreisform als Symbol angstbesetzter Unentrinnbarkeit soll sich auch in der Choreografie widerspiegeln, aber neben solch düsteren Momenten werden in „Here/After“ auch Szenen grenzwertiger Komik aufblitzen, die jeden Moment ins Hysterische umschlagen können.

Text: Elisabeth Nehring

Foto: Thomas Aurin

Here / After HAU 1, Sa 3.12., Mo 5.?–?Fr 9.12. , 19.30 Uhr, Karten-Tel. 25 90 04 27

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