Theater

Hilary Hahn & Hauschka im Asphalt Club

HillaryHahnHauschkaHahnHauschka_mareike_foeckingUm mit Hilary Hahn über Skype zu sprechen, muss man einen kleinen schwarzen Punkt fixieren, am oberen Rand von Volker Bertelmanns aufgeklapptem Laptop. „Dort ist die Kamera, man kann aber auch einfach aufs Gesicht schauen“, erklärt der Experimental-Pianist, den man besser als Hauschka kennt. Hahn, die ungefähr 8?000 Kilometer entfernt auf Konzertreise in Texas weilt, lächelt aufmunternd. Das Duo kennt sich aus mit Kommunikation via Internet; immerhin pflegen die beiden schon seit zwei Jahren eine künstlerische Fernbeziehung.In dieser Zeit entstand ein gemeinsames Projekt. „Silfra“ heißt die Platte nach einer Gegend in Island, wo sich das Duo 2011 zur Studiosession traf – zehn Stücke, die aus der Improvisation entstanden sind, Geige und Klavier sowie ein knisterndes Schichtwerk an Sounds und Zufallsgeräuschen. Pingpongbälle etwa, die auf Pianosaiten zittern, Bogenhaare, die im Klavierinnern streichen, Echo-Effekte, die Hahns Spiel in die Ferne rücken.
Ambiente- und Noise-Exkurse assoziieren wohl die wenigsten mit der berühmten Geigerin. Die 32-Jährige ist ein Weltstar der klassischen Musik. Ihr Њuvre von mehr als 20 CD-Einspielungen reicht von Bach, Beethoven, Brahms bis zu Schönberg oder Sibelius.

„Für mich passt das gut zusammen“, sagt Hahn in überraschend gutem Deutsch, „Neu fühlt sich für mich das präparierte Klavier auch nicht unbedingt an. Ich kenne mich ja aus mit erfinderischer Musik, ich habe oft Musik gespielt, die zu ihrer Zeit komplett neu war. Mir geht es immer um die Persönlichkeit, die in der Musik zum Ausdruck kommt.“ Den Weg abseits vom Klassikkontext hat die Amerikanerin schon oft betreten: ob auf Geigen-Parts für die Neoprog-Truppe Trail Of Dead oder für Songwriter Tom Brousseau, der seine Alben auf Hauschkas Düsseldorfer Indie-Label veröffentlicht. Er war es, der 2008 die Verbindung zwischen den befreundeten Kollegen knüpfte. „Neugierig“ sei sie gewesen, als sie Hauschka kennenlernte. „Als ich seine Musik zum ersten Mal hörte, hab ich gemerkt, dass es darin Raum für mich gibt. Ich mag seine Musik. Sie ist eigen, ich kann mit ihr spielen, sie aufnehmen, ein bisschen verändern und sie ihm wieder zurückgeben. So ähnlich funktioniert das übrigens auch, wenn ich klassische Musik spiele, was ihren Gefühlsgehalt angeht. Ich verändere zwar nicht die Noten. Aber ich versuche, auf ähnliche Art Ideen zu teilen.“ Hilary Hahn winkt aus dem kleinen Laptop-Quadrat; sie müsse leider weg, zur Probe. Das Symphonieorchester von Houston erwartet sie an diesem Tag, Prokofiews Violinkonzert steht auf dem Programm. Demnächst kann man die Geigerin beim Gig mit Hauschka erleben, wenn sie in Berlin erstmals „Silfra“ live spielt, vor ein paar hundert Leuten im Club.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Mareike Foecking

Hilary Hahn & Hauschka: Silfra (Deutsche Grammophon)

Hilary Hahn & Hauschka Asphalt Club, Do 10.5., 20 Uhr (Yellow Lounge), AK: 6 Ђ

Mehr über Cookies erfahren