Theater

„Himmelsmechanik“ eröffnet die Spielzeit

HimmelsmechanikIn Mauricio Kagels „Himmelsmechanik“ (1965) werden Natur- und Kosmosklänge mit Musik­­in­strumenten nachgeahmt, wird getrötet und geschabt. Der 8-Minüter, uraufgeführt in Venedig, gilt als konsequenter Auswuchs des Experimentiertheaters der 60er-Jahre. Alles ist offen und variiert je nach Umständen und Aufführungsbedingungen. Und dürfte amüsant sein, denn Kagel war ein intellektueller Witzbold.
Eine der frühesten Ansagen an das Aufführungsteam „Phase 7“, das dieses Werk nun zu einem begehbaren Abend von 75 Minuten Länge aufbläst: „Nehmt’s nicht zu ernst!“ Die Performing-Arts-Brigade um den Choreografen Sven Sören Beyer und den Komponisten Christian Steinhäuser stand nie im Verdacht des übertriebenen Ernstes. Ihre Eröffnung des Bergen-Festivals mit einem Luft-Ballett für 35 Quadrocopter – tanzende Propeller-Drohnen: lustig! Da das 30-köpfige Kollektiv jahrelang nur durch „Event“-Aufträge sein Auskommen gefunden hat und dabei nicht den Humor verlor, nannte man eine frühere Auftragsarbeit schlicht „Best of Porsche“.

„Man rutscht schnell rein in den Event-Betrieb“, so Beyer. Für das Auftragswerk der Deutschen Oper kann man aus dem Vollen einer rundsubventionierten Theater-Turbine schöpfen. „Himmels­mechanik – Eine Entortung“ dürfte das erste mobile Umzugskommando durch die Foyers der Deutschen Oper seit den 80er-Jahren sein (wo man den „Untergang der Titanic“ auf allen Decks des Borne­mann-Baus nachinszenierte).
Ganz oben: Kagels Original. Darunter Labyrinthe und Weltmaschinen, inspiriert vom gigantischen Genfer Ring- und Teilchenbeschleuniger CERN (der bislang größten Maschine der Menschheit). Vier Sänger sind auch dabei. Für anregende Schieflagen ist gesorgt.     

Text: Kai Luehrs-Kaiser
Foto: 1967 ByUniversal Edition/London_Ltd_London_Slash_UE

HIMMELSMECHANIK
Deutsche Oper,
Do 22.8.–Mo 26.8., 21 Uhr,
Karten-Tel. 34 38 43 43

 

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