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„Hoffmanns Erzählungen“ an der Komischen Oper

Offenbachs „Les contes d’Hoffmann“ ist ein Momumentaltorso der Musikgeschichte: Schön, aber kompliziert. Zu den drei E.T.A. Hoffmann-Erzählungen montiert Barrie Kosky als vierte Erzählung Hoffmanns „Don Juan“. Wer das tut, sollte es besser als eigene Fassung ausgeben. Trotz einiger guter Bilder – so der Rapunzelzopf, den Coppelius aus der mittleren Lade seines Sing-Schranks Olympia zieht – wirkt die Zurichtung einigermaßen selbstherrlich.Die Aufteilung der Hauptfigur in gleich drei Hoffmanns impliziert, dass der alte Hoffmann das Ganze aus der Retrospektive erzählt: Ein uralter Hut. Die ingeniös sich verwandelnde Nicole Chevalier als Stella/Olympia/Antonia/Giulietta beeindruckt, scheitert aber bisweilen an der Intonation. Vor allem Peter Renz (Andrиs/Spalanzani/Pitichinaccio) als Kosky-Maskottchen, das noch in fast jeder von dessen Inszenierungen zum Zuge kam, bildet einen komischen Lichtblick. Plakativ und nervig dirigiert Stefan Blunier an den Vertraktheiten und Lyrismen des Werks vorbei.
Angesichts der von Kosky erneut angezettelten Arschwackel-Exzesse von Männern im Rock kann man sich eines gewissen Überdrusses nicht erwehren. Die revuehaften Mittel haben sich erschöpft. Kosky sollte dringend einen Frohsinns-Gang runterschalten.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Monika Rittershaus

Komische Oper Berlin So 25.10., 18 Uhr, Sa 7.11., 19.30 Uhr, Fr 27.11., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 47 99 74 00

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