Theater

Hybrid Arts Fest im Radialsystem

ybridArts_Tanja-Liedtkes-Twelfth-Floor_(c)-Chris-HerzfeldDas Radialsystem ist einzigartig, zumindest in Berlin. Auf der anderen Seite der Erdkugel, in Sydney, gibt es ein ganz ähnliches Haus, das CarriageWorks. Das ist ein alter, modern umhüllter Back­steinbau, in dem man sich dem Crossover der Künste verschrieben hat und mit neuen Finanzierungsmodellen experimentiert.

Die Radialmacher waren dort, und aus ihrem Besuch ist das Hybrid Arts Fest Australia entstanden, das jetzt im Radialsystem stattfindet. HybridArts_System-BuildingDie eigentliche Überraschung ihrer Reise sei gewesen, sagt die Kuratorin Lisa Stepf, dass man in Australien schon viel länger mit hybriden Kunstformen experimentiert, als man es in Europa tut. Schlicht, weil man dort ein sehr viel weniger elitäres Kunstverständnis pflegt und die Unterschiede von U- und E-Kultur xeinfach ignoriert. Auch, weil sich die meisten Künstler so einen Luxus nicht leisten können. In Australien sind Sport und Kunst in einem Ministerium untergebracht, wobei 90 Prozent des Etats an den Sport und gerade mal 10 Prozent an die Künste geht. Schon um zu überleben, sind die Künstler in unterschiedlichen Disziplinen unterwegs.

Was dabei entsteht, ist unter anderem in „Glow“ zu besichtigen, einem Tanzsolo des australischen Choreografen Gideon Obar­zanek. „Glow“ ist eher ein Duett, denn gemeinsam mit dem Grafikdesigner Frieder Weiss hat Obar­zanek eine Symbiose aus grafischer Software und Tanz entwi­ckelt, in der sich beides gegenseitig unaufhörlich hervorzubringen scheint: ein Cyborg-Stück.

HybridArts_Glow_Chunky-MoveEröffnet wird das Festival mit einer langen Musiknacht, in der australische Musiker das gesamte Radialsystem bespielen. Es gibt Musik im Dunkeln und mit Feuerwerk, bei einer Weinverkostung plaudern der australische Sommelier James Erskine und Radialchef Folkert Uhde über den Zusammenhang zwischen Schme­cken und Hören. Das Kurzfilmfest Tropfest, in Australien ein per Satellit ins ganze Land übertragene Kultevent, gastiert mit einem Best-of. Es gibt einen Kongress über „New Spaces for the Art“, architektonische Klanginstallationen und so manch anderes Wunderliches, was so beim Kreuzungsversuch der Künste entsteht. Und vielleicht schauen ja auch ein paar Kängurus vorbei.

Text: Michaela Schlagenwerth
Fotos: Chris Herzfeld, Yatzek, Artur Radeki

Hybrid Arts Fest Australia
im Radial­system V, (Adresse/Googlemap), 9.-18.10.

 

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