Theater

„Hyperion“ an der Schaubühne

Hyperion_c_ArnoDeclairSchon der Titel von Romeo Castelluccis theatralischer und theaternden Bearbeitung von Friedrich Hölderlins Roman „Hyperion“ an der Schaubühne ist fürchterlich gespreizt und gleichzeitig platt auf Pseudoaktualität kalkulierend: „Hyperion. Briefe eines Terroristen“. Für die Simulation politischer Sprengkraft ist das plakative Vorspiel zuständig. Ein SEK-Trupp durchsucht und demoliert eine mit IKEA-Möbeln und gut bestücktem Bücherregal eingerichtete Wohnung und bittet anschließend das Publikum, den Saal zu verlassen: „Es gibt hier nichts zu sehen.“ Ja, so ist er, der Polizeistaat auf deutschen Bühnen. Nach längerer Umbaupause gibt es dann allerdings allerhand prätentiöse Gespreiztheiten zu sehen, untermalt von mehr oder weniger verständnislos, dafür aber umso feierlicher und ergriffener herunterrezitierten Hölderlin-Versen. Ein blinder Hund auf gleißend weißer Bühne. Ein kleines Mädchen mit goldener Papp¬krone. Auch mal eine nackte Frau, die erhabene Entrückungs- und Pathos-Posen wie aus Gemälden der Präraffaeliten ausstellt. Angela Winkler arbeitet sich durch Hölderlins immer wieder schöne Deutschen-Beschimpfung („Ihr deutschen Barbararen, von alters her verdorben bis ins Mark“), nur dass das bei ihr nicht nach Beschimpfung, sondern nach somnambuler Weihestunde klingt. Seltsamer Abend. Vermutlich handelt es sich um ein Beispiel des weithin gefürchteten Regietheaters.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Zwiespältig

Hyperion. Briefe eines Terroristen Schaubühne, Mi 24., Do 25.4., 20 Uhr, Karten-Tel. 89 00 23

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