Theater

Ich bin nicht Rappaport im Schlossparktheater

IchBinNichtRappaport_c_DerDehmelZugegeben, das Plakat zum Stück „Ich bin nicht Rappaport“ am Schlossparktheater hat erhöhten Trash-Appeal: Ein irre feixender Dieter Hallervorden mit Joint in der Hand ist darauf zu sehen, daneben ein nicht minder entrückt wirkender Joachim Bliese. So weit, so läppisch. Weil aber der weiße Schauspieler Bliese auf dem Bild schwarz geschminkt ist, brach auf den Facebook-Seiten der braven Steglitzer Bühne noch vor der Premiere ein Entrüstungssturm los. Der Vorwurf aufgeregter Blogger lautete auf Rassismus, die Produktion wurde in die Nähe der Blackface Minstrelsy gerückt: Shows, mit denen im Amerika des 19. Jahrhunderts schuhcremebemalte Weiße üble „Bimbo“-Stereotypen produzierten. Die Schlosspark-Verantwortlichen haben zunächst ziemlich schnoddrig reagiert und damit die Debatte, wer was in welcher Farbe spielen darf, nur noch weiter befeuert. Bis auf die Titelseite der „B.Z.“ hat’s das „Schmierentheater um Didi“ gebracht. Aber bei aller gebotenen Sensibilität – der anonyme Internet-Flashmob der Empörten hat sich mit seiner Hyperkorrektheit das falsche Ziel gesucht. Auf der Bühne findet nichts statt, was den Rassismus-Verdacht irgendwie erhärten würde.

Hallervorden und Bliese, beide Jahrgang 1935, spielen die 81-jährigen Rentner Nat und Midge, die sich täglich auf einer Bank im Central-Park begegnen. Der geschminkte Bliese (dass die Figur schwarz sein muss, hat der Autor Herb Gardner verfügt) hat die Rolle schon 1987 an der Seite von Bernhard Minetti gespielt, in der deutschen Erstaufführung des amerikanischen Hits. Und obwohl es natürlich stimmt, dass dem hiesigen Theaterbetrieb insgesamt mehr echte Vielfalt gut zu Gesicht stünde – Bliese ist beeindruckend  als verzagter Midge, der sich als Hausmeister und Kellerexistenz bis zur Unsichtbarkeit aus dem Leben zurückgezogen hat.

Gern schaut man Hallervorden zu, der als Altkommunist und notorischer Querulant Nat immer neue Münchhausen-Geschichten erfindet und Midge mit seinem Anarchogeist ansteckt. Die beiden tragen mit Witz und Spielfreude die Inszenierung von Thomas Schendel, der das Well Made Play von 1985 im naturalistischen Central-Park-Ambiente schnörkellos abspult. Klar hat dieser Aufstand zweier ausgemusterter Männer einen sentimentalen Schlag. Aber die Geschichte berührt eben auch mit ihrer unterschwelligen Wut über die Diskriminierung der Alten, gleich welcher Hautfarbe.       

Text: Patrick Wildermann
Foto: Derdehmel
tip-Bewertung:
Sehenswert

Ich bin nicht Rappaport
im Schlossparktheater,
Karten-Tel. 789 56 67-100

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