Theater

„Icke – Die Oper“ in der Volksbühne

Ikke-DieOperLängst ist der popkulturelle Trashimport auf die Bühnen der Hochkultur ein routiniertes Spiel, von dem sich beide Seiten Distinktionsgewinn und die Erschließung neuer Publikumssegmente versprechen. Auch die lustige Show „Icke – Die Oper“ des durch skurrile Internetvideos zu Ruhm gelangten Spandauer Rap-Duos „Icke & Er“ an der den Freuden des Trivialen seit jeher zugeneigten Volksbühne folgt dem bewährten Muster. Icke, im üblichen Asozialen-Look mit Kapuzenshirt und überweiter Turnhose, muss alleine die Showtreppe herunterschreiten, sein Partner Er hat heute frei. Dafür hat sich Icke einen Doppelgänger mitgebracht, der im Lauf des Abends von seiner Mutter mit Keksen gemästet wird und seine Tage im Bett verdöst. „Ich wurde enttäuscht – vom Leben, von den anderen und vor allem von mir“, lautet seine Lebensbilanz. Wenigstens bekommt er einen pompösen Abgang: Das Icke-Double landet wie einst Madonna an einem Kreuz aus leuchtenden weißen Quadern.

Der Abend ist eine muntere Selbstfeier mit „Icke“-rufendem Publikum und Trash-Folklore aus dem Hartz-IV-Berlin, samt Absturz-Eckkneipe, Straßenstrich, Würstchen anbietendem „Grillwalker“ und einem einsamen, internetsüchtigen Soziopathen. Det is Berlin, wa. Groß sind die Einlagen des merkwürdigen Genies Friedrich Liechtenstein, der über dem Schlafanzug Goldkettchen und einen edlen Kamelhaarmantel trägt. Dem Flaneur kann das grelle Treiben um ihn herum nichts anhaben, wenn er mal mit gekonnt ins Schmierige lappendem Barry-White-Bass schmeichelt, mal mit stoischer Ruhe die Lage analysiert: „Bekiffte Betriebswirte an jeder Ecke, bin ich froh, dass ich bald verrecke.“ Solchen nihilistischen Momenten zum Trotz entwickelt der Abend, der nicht mehr sein will als eine lässige Show, eine für die notorisch muffigen Berliner Verhältnisse erstaunlich gute Laune und herben Charme. Die lustigste Volksbühnen-Premiere seit Ewigkeiten.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Thomas Aurin

tip-Bewertung: Annehmbar

Icke – Die Oper Volksbühne, Sa 28. + So 29.5., 20 Uhr, Karten: 240 65 777

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