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"Icke" von Peter Laudenbach

"Icke" von Peter Laudenbach

Von Adorno stammt die schöne Bemerkung, bei vielen Menschen sei es „bereits eine Unverschämtheit, wenn sie ich sagen.“ Solche Leute geben gerne Allgemeinplätze aus der Phrasenmischmaschine als höchst eigene Erkenntnisse zum Besten und verkünden im Vollgefühl der eigenen Bedeutung, wie sie irgendetwas oder irgendjemanden finden: „Ich finde Castorf irgendwie so kaputt und sexistisch.“ „Ich finde Jelinek irgendwie zickig.“ „Ich finde Performances cool.“ „Ich finde das „Theatertreffen ja schrecklich elitär.“ Auch sehr beliebt: „Ich finde, früher war Falk Richter / Marthaler / Petras / Pollesch / Ostermeier besser“. Oder: „Ich finde, das Repräsentationstheater der bürgerlichen Subjekte irgendwie so Neunziger.“ Worauf in der Regel ein Blitzmerker einwirft: „Eher schon Achtziger.“ Wer auf allgemeine Zustimmung aus ist, geht auf Nummer sicher: „Ich finde es toll, dass sich xy so für Flüchtlinge / gegen Rechte / für den Frieden engagiert.“
Das Problem ist natürlich nicht, dass irgendjemand irgendetwas findet, nur zu, warum auch nicht? Die Zumutung liegt darin, dass die von Adorno so treffend charakterisierten Leute zum Beispiel in Theaterfoyers wie Lautsprecher funktionieren, die einfach wiedergeben, was an Gerede grade so in Umlauf ist und das auch noch für einen Ausdruck ihrer geistreichen Individualität halten. Und weil in Berlin alles noch etwas breitbeiniger daherkommt, sagen solche Leute natürlich nicht „Ich“, das wäre zu höflich und irgendwie bürgerlich, sie dröhnen lautstark: „lso, icke finde ja, dass…“

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