Theater

„Idealisten“ im Hau 1

Idealisten_c_promo2Idealismus ist eine angenehme Sache, solange er keinem Praxistest unterzogen werden muss: Viele Zeitgenossen – gern auch in den Künsten – können sich ihre schönen Vorstellungen von der Welt ja nur deshalb leisten, weil sie von ihr verhältnismäßig abgeschottet sind.
Die Gruppe Schauplatz International will es nun sympathischerweise genauer wissen. Sie versucht zusammen mit den Architekten von raumlabor Berlin, den Idealismus auf der Bühne gewissermaßen zu materialisieren. Um der Frage näherzukommen, wie (und gegebenenfalls mit welchen Kollateralschäden) sich eine Idee aus dem Kopf in die Welt übertragen lässt, unternahm Schauplatz im Sommer eine italienische Reise zu den Idealstädten der Renaissance, beispielsweise nach Sabbioneta, und schaute außerdem noch mal den Stummfilm „One Week“ von Buster Keaton.

Analog zu dem Fertigteilhaus, das der wackere Protagonist dort als Hochzeitsgeschenk-Zumutung bekommt und mit dessen Aufbau er über die komplette Filmdauer zu kämpfen hat, entwirft raumlabor auf der Bühne des HAU 1 eine modulare Konstruktion, aus der sich die Schauplatz-Performer während der Vorstellung selbst live ihre Idealstadt zusammensetzen. Und da das Theater für die Idealstadt bekanntermaßen von zentraler Bedeutung war,  wird es an Bezügen zum eigenen Tun der Schauplätzler, die nach 20-jähriger Performance-Arbeit erklärtermaßen selbst gern mit dem Idealisten-Label versehen werden, auch ansonsten nicht mangeln.

Text: Christine Wahl

Foto: Heiko Schaefer

Idealisten HAU 1, Do 9.1. bis Sa 11.1., 20 Uhr; So 12.1., 17 Uhr; Karten-Tel. 25 90 04 27

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