Theater

„Idomeneo“ an der Komischen Oper

Wolfgang Silveri

Schiffsplanken und eine Pfütze, das Schiff hat offensichtlich ein Leck. Auf und neben etwa 100 auf der Bühne platzierten Stühlen schiffbrüchige Kriegsheimkehrer. So weit das Bühnenbild für Mozarts „Idomeneo“ an der Komischen Oper. Die Zeichen stehen auf Sturm und Sitzenbleiben. Tatsächlich ist die einen Sturm illustrierende Orchesterpartie eine der deutlichen Innovationen gegenüber den Konventionen der Opera seria in der 1781 uraufgeführten Oper. Die an der Komischen Oper unter der musikalischen Leitung von Patrick Lange und der Regie von Benedikt von Peter aufgeführte Neubearbeitung ist leicht gekürzt – und hat dennoch etwas mehr als drei Stunden Spielzeit. Das liegt nicht an einem schleppenden Orchester, sondern an der eingefügten Rahmenhandlung und den von ihr evozierten Kunstpausen. In denen darf der Wind heulen und Rainer Trost in der Titelpartie ausgiebig verwirrt und verängstigt auf der Bühne herumtapern.

Es geht um den kretischen König Idomeneo und dessen Schwierigkeiten bei seiner Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg. In einen Sturm geraten, schwört er im Fall seiner Rettung dem Gott Poseidon einen Menschen zu opfern. Das Opfer ist zufällig sein Sohn Idamante (eindringlich von der Mezzosopranistin Karolina Gumos gesungen), der zudem, politisch heikel, in die gefangene trojanische Königstochter Ilia (Brigitte Keller) verliebt ist. Am Ende geht es der Opernkonvention gemäß gut aus. Die dynastische Nachfolge wird geregelt. Nur Elektra (Erika Roos) muss sich im Liebesfuror nach großer Arie erdolchen.

In von Peters Inszenierung wird dies zum Kommentar des Themas Kriegsneurose aufgebauscht. Es gibt eine angedeutete zweite Handlung, einige Jahre nach der eigentlichen Opernhandlung angesiedelt. Idamante und Ilia sind ein aneinander nicht mehr so schrecklich interessiertes Ehepaar mit einem Kind, das mit einem Schiffsmodell spielt. Alles aus der Perspektive des kriegsversehrten Königs, der auf die Geschichte seiner Traumatisierung zurückblickt, während Elektra immer mal wieder hysterisch auflacht, als Leiche wie Ophelia in der Pfütze treibt und dann mit nassen Füßen wieder Hallo sagt. Bedeutungsheischendes Regietheater. Bemüht allegorischer Kram und offene Interpretationsschneisen, alles ein bisschen konfus, und bisweilen auch sehr müde sich dahinschleppend.

Text: Andreas Hahn

Foto: Wolfgang Silveri

tip-Bewertung: Zwiespältig

Idomeneo, Komische Oper, Samstag 25.6., 19.30 Uhr

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