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„Ihre Version des Spiels“ mit Corinna Harfouch am DT

IhreVersionDesSpielsMit ihren perfekt konstruierten Boulevardkomödien aus besseren Kreisen („Kunst“, „Der Gott des Gemetzels“) ist Yasmina Reza seit Jahren die vermutlich meistgespielte Gegenwartsautorin des europäischen Theaters. Ihre Stücke sind klug, aber viel zu elegant und leichtfüßig, um anstrengendere Regionen mehr als nur zu streifen. Das kann man von ihrem neuen Werk („Ihre Version des Spiels“), das jetzt in den DT-Kammerspielen zur Uraufführung kam, nicht behaupten.

Statt funkelnder Pointen und komödienergiebiger Charaktere: routinierte Kalauer und Klischee-Pappkameraden. Statt kühlen Spiels mit bürgerlichen Peinlichkeiten: leichte Larmoyanz. Die schmale Handlung: Eine berühmte Schriftstellerin (Corinna Harfouch), natürlich nicht zu verwechseln mit Reza persönlich, ist zu einer Lesung in einer Provinz-Mehrzweckhalle angereist, und das, obwohl sie Lesungen eigentlich hasst. Der aufgeregte Leiter der örtlichen Bibliothek wuselt um sie herum, wagt ab und zu schmachtende Blicke und drückt ihr Selbstgedichtetes in die Hand (typengerechte Besetzung: Alexander Khuon).
Weil das noch nicht Zumutung genug ist, sitzt auch noch ein Kulturjournalistinnenvamp auf dem Podium, um mit der bedauernswerten Romanautorin zu diskutieren. Katrin Wichmann macht aus der Provinzmondänen eine Mischung aus Kulturbetriebsgroupie und Feuilleton-Inquisitorin, die der Schriftstellerin zielsicher indiskrete bis beleidigende Fragen stellt. Den Rest erledigen die dünnen Nerven und das leichte Alkoholproblem der Schriftstellerin.

Strafverschärfend hat Stephan Kimmig diese Petitesse mit deutschem Tiefsinn ausgewalzt und unter sorgfältiger Vermeidung von Esprit inszeniert, fast so, als wollte er die Schwächen des Stücks möglichst deutlich machen oder als hätte er die Boulevard-Leichtware aus Versehen mit einer abgründigen Charakterstudie verwechselt. Dass man dem trotzdem über Strecken gerne zusieht, liegt an Corinna Harfouch und ihrer hinreißenden Spielfreude, die noch aus dem endlosen, hektischen Wühlen in der Handtasche eine tolle, komische Nummer macht und im spöttischen Flirt mit dem Klemm-Bubi von Bibliothekar mal kurz die Diva aufblitzen lässt, die mit solchem Männchen-Gemüse zu Recht nur höhnisch spielt.     

Text: Peter Laudenbach
Foto: Arno Declair
tip-Bewertung: Zwiespältig

Ihre Version des Spiels
Deutsches Theater Kammerspiele,
z.B. am 19., 26., 27.10., 20 Uhr, Karten-Tel. 28 44 12 21

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