Theater

Im Gespräch mit Armin Petras

Armin_petras__Bettina_Stoesstip: Herr Petras, das Maxim Gorki Theater und das Narodowy Stary Teatr aus Krakau bespielen am 11. Juni gemeinsam einen Zug, der 529 Kilometer von Krakau nach Berlin fährt. Was passiert in diesem Zug?

Armin Petras: Eine ganze Menge. Wir fahren etwa 10 Stunden lang mit dem Zug, es finden die unterschiedlichsten Veranstaltungen statt. Es gibt Tanz-Unterricht, es gibt Lehm-Menschen, die im Zug eine Installation zeigen, es findet ein Armdrücken-Wettbewerb samt einer Siegerehrung statt, am Bahnhof Forst wird der dortige Turnverein für uns turnen, die Leitung hat ein 80-jähriger Akrobat. Es gibt etwa 12 Theaterveranstaltungen unterschiedlichster Art von uns und vom Stary Theater, es gibt Puppentheater, Fidel Castro und Charles de Gaulle werden durch den Zug gehen und Reden halten, eine Unplugged-Version der Gundermann-Band Seilschaft  wird von Cottbus bis Berlin spielen, es gibt zwei Buchpräsentationen und eine Kochshow über anderthalb Stunden. Also: Es ist viel los.

tip: Was war der Auslöser für dieses Projekt?

Petras: Wir haben vor Jahren mit dem Stary Theater Krakau ein Austausch-Projekt gemacht, ich habe dann auch da inszeniert. Die beiden Theater sind befreundet. Als die Bundeskulturstiftung den Fonds „Wanderlust“ auflegte, wollten wir unbedingt etwas gemeinsam machen. Daraus entstanden gegenseitige Gastspiele, Milan Peschel hat in Krakau die wunderbare Inszenierung „Sein oder Nichtsein“ erarbeitet und sie anschließend bei uns am Maxim Gorki Theater mit deutschen Schauspielern noch einmal inszeniert. Der „Krakуw-Berlin XPRS“ ist sozusagen die Abschluss-Show, mit der wir versuchen, die beiden Städte sinnlich näher aneinander heranzurücken. Wir wollten auch dieses sehr spannende Gebiet, das dazwischen liegt, Schlesien, mit theatralischen Mitteln unter die Lupe nehmen. Schlesien ist ja schon historisch ein Gebiet, das nicht richtig polnisch, nicht richtig deutsch ist, sondern irgendwas dazwischen.

tip: Die polnischen Theaterleute hatten es in den vergangenen Jahren unter der etwas provinziell-konservativen polnischen Regierung nicht leicht. Spielte das bei Ihrer Kooperation eine Rolle?

Petras: Ja. Es machen beim „Krakуw-Berlin XPRS“ auch viele andere polnische Theater mit, die an ihren Bahnhöfen eigene Minishows zeigen oder ihre Stücke im Zug zeigen. Ich bin jetzt ein paar Wochen in Polen herumgefahren und habe mich mit den polnischen Kollegen unterhalten, um das vorzubereiten. Das ist wirklich eine sehr reiche Theaterlandschaft in einem auch historisch sehr vielschichtigen Land. Diese – zum Teil kleinen und finanziell armen – Theater sind Leuchttürme in diesen Städten, die ungeheuer wichtig für so etwas wie eine lokale Identität sind.

Interview: Peter Laudenbach

Foto: Bettina Stöß


Krakуw-Berlin XPRS 11.6., EC „Wawel“ von Krakau nach Berlin, ab 7.30 Uhr in Krakau, Narodowy Stary Teatr w Krakowie/Dom Norymberski Krakуw (ausverkauft)

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