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Im Gespräch mit Martin Frank über das Theatertreffen der Jugend

Martin-FrankHerr Frank, was ist denn der Unterschied zwischen dem Theatertreffen und dem Theatertreffen der Jugend?
Martin Frank
Die meisten Ensemblemitglieder sind unter 18 Jahren und nicht-professionelle Schauspieler. Was aber nicht heißt, dass sie weniger intensiv arbeiten. Wichtiger als der Rückgriff auf Schauspieltechniken sind allerdings Lebenserfahrung, Spontaneität und Humor, die sie in die Inszenierungen mit einbringen.

Sie sind seit fast 20 Jahren Juror des ttj – wie hat sich die Jugendtheater-Szene verändert?
Es werden verstärkt Profis für die Arbeit mit Laien ausgebildet, das schlägt sich in der Qualität der Produktionen nieder. Aber vor allem hat das Jugendtheater eine neue Identität gefunden. Früher wurde viel Shakespeare und Schiller gespielt, und man versuchte, aus der „jugendlichen Frische“ der Beteiligten eine Wirkung zu ziehen. Heute entwickeln die Theaterpädagogen die Formen und Themen viel stärker aus dem, was die Jugendlichen erleben. Man sieht auch an Aushängeschildern der Szene wie Sebastian Nübling oder Nurkan Erpulat, die im Jugendtheater ihre künstlerischen Möglichkeiten entwickelt haben, wo das Genre steht.

Was lässt sich zu Auswahl und Trends in diesem Jahr sagen? 
Es gibt keinen Trend, aber ein verstärktes Bewusstsein für gesellschaftliche Relevanz. Einerseits haben wir Inszenierungen wie die „Hamlet“-Bearbeitung aus Heidelberg eingeladen, die eine große Kraft in ihren künstlerischen Darstellungsmöglichkeiten entwickeln, andererseits ein Projekt aus Grevenbroich, das mit einer unheimlichen Aktualität über das Verschwinden von Menschen und ganzer Dörfer im ehemaligen Braunkohle-Tagebau erzählt. Zuschauer, die die Jugendtheater-Szene nicht kennen, werden von der Erzählgenauigkeit und politischen Wachheit überrascht sein. Gerade besitzen viele Produktionen von Jugendlichen eine große politische Aussagekraft.   

Interview: Anja Quickert

Theatertreffen der Jugend
Fr 24.5.–Sa 1.6.,
Haus der Berliner Festspiele
,
Infos und Tickets: Tel. 25 48 91 00, www.berlinerfestspiele.de/bundeswettbewerbe

 

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