Theater

Im Gespräch mit Martin Sonneborn

Martin_Sonneborn_09_c_SMACHerr Sonneborn, was halten Sie als aufstrebender Politiker und Vorsitzender der Partei Die PARTEI von Kabarettisten, die es besonders lustig finden, Witze über Angela Merkels Frisur oder Sigmar Gabriels Bauch zu machen?
Solange die Witze nicht über meine Frisur gemacht werden, ist mir das eigentlich egal. Das Kabarett und ich leben gut aneinander vorbei.

 

Weshalb beteiligen Sie sich am kabarettistischen Politischen Aschermittwoch in der Arena?
Aus zwei Gründen: Erstens, weil wir vor einer wichtigen Wahl stehen. Wir haben gerade die 4?000 Unterstützerunterschriften gesammelt, die nötig sind, um zur Europawahl zugelassen zu werden. Ich bin sicher, dass zum Politischen Aschermittwoch politisch orientierungsloses Publikum kommt. Das ist für uns ein lohnendes Zielobjekt. Wir bieten ihnen die Alternative, eine inhaltsleere, geschmacklose Partei zu wählen. Das wird zumindest zu Denkprozessen führen. Hoffe ich. Den zweiten Grund habe ich vergessen.

Quälen Sie das Publikum mit der Verlesung des Parteiprogramms?
Nein, das kennen die meisten schon, wir haben es damals bei den Grünen abgeschrieben. Aber wir stehen ja dafür, Inhalte zu überwinden, also muss ich mir irgendetwas anderes aus den Fingern saugen.

Befürchten Sie, dass das in Arbeit ausarten könnte?
Das glaube ich nicht. Ich habe ja genug Versatzstücke aus meinem politischen Leben, auf die ich jederzeit reflexartig zurückgreifen kann. Das können sämtliche Spitzenpolitiker in diesem Land. Mein öffentliches Wirken bei der Veranstaltung ist auf zwei mal zehn Minuten begrenzt, wahrscheinlich aus diesem Grund.

Hilft Ihnen der Instant Phrase Maker, der vollautomatisch gängige Phrasen per Zufallsgenerator zu grammatikalisch korrekten Sätzen verbindet?
Derartige Phrasenmaschinen hatten wir bei „Titanic“ oft im Heft. Natürlich stehen mir mehrere dieser bewährten Geräte zur Verfügung. Übrigens musste jedes PARTEI-Mitglied diese Phrasen auswendig lernen.

Eigentlich sollte Dieter Hildebrandt wieder beim Politischen Aschermittwoch auftreten. Das wurde leider durch höhere Gewalt verhindert. War Hildebrandt für Sie eher ein Vor- oder ein Feindbild?
Nein, sicher kein Feindbild. Hildebrandt war einer von wenigen Kabarettisten, vor denen ich hohe Achtung habe. Man kann das, was er gemacht hat, natürlich für eine antiquierte Art halten, sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen. Aber es war eine engagierte, lustige und moralische Art. Das Einzige, was man ihm vorwerfen muss, ist, dass er sich vor diesem Aschermittwoch gedrückt hat. Ich hätte ihn mir gerne auf der Bühne angeschaut.

Interview: Peter Laudenbach

Foto: SMAC, THesIMPLIFY (Illu)


10. Politischer Aschermittwoch
, u.?a mit Martin Sonneborn, Lisa Politt, Arnulf Rating, Konstantin Wecker Arena, Mi 5.3., 20 Uhr , Karten-Tel. 84 10 89 09

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