Theater

„Im Namen der Rose“ im Ballhaus Ost

NameDerRose_c_BrianMorrowSie fürchten weder Tod noch Teufel. Sie fürchten nicht Thomas Mann, Jorge Luis Borges, Ludwig Wittgenstein, Conan Doyle, das Hohelied Salomos, Rabelais, die Apokalypse und vieles andere sowieso auch nicht. Und auch ein paar Jahrzehnte postmodernes Gequassel, wie man das in finsterer Zeit (den frühen 1980ern) nannte, konnte das Puppentheater das Helmi offensichtlich nicht davon abhalten, sich an einer Bühnenadaption von Umberto Ecos Roman „Im Namen der Rose“ zu versuchen, die die Jean-Jacques-Annaud-Bernd-Eichinger-Verfilmung des Stoffes von 1986 endlich in den verdienten Schatten stellt. Auch wenn man sich auf einen mit alles andere als bequemen Turnmatten ausgelegten stickigen Dachboden begeben muss, um das miterleben zu dürfen: Es lohnt sich. Schließlich sind handelsübliche Theatersitze auch längst nicht so weich wie die Birnen derer, die gängiges Theater üblicherweise aushecken.

„Im Namen der Rose“ also: Zitate, Zitate, Zitate, der Herbst des Mittelalters, mörderische Mönche und ihre theologischen, politischen, philosophischen Diskussionen. Vor gut zwanzig Jahren noch kannte das komischerweise fast jeder. Jetzt ist das wahrscheinlich nicht mehr so. Eine parodistische Intention im engeren Sinne schließt sich von daher aus. Der Schlag muss schon tiefer in die Magengrube gehen. Auf der Miniaturbühne des Helmi machen die Protagonisten mit Wandergitarren und natürlich ihren handlichen bis mannshohen, hübsch grotesken Puppen bewaffnet aus dem Roman eine übersichtliche Geschichte über die wichtigeren Dinge: Sex und Drogen und Aufklärung.

Zufällig auch Dinge, mit denen man sich in Klöstern und beim pornografischen Puppentheater vorzugsweise beschäftigen kann. Neben einer kleinen Dosis Küchenlatein und sonstigem garantiert nicht verständlichen Brabbeln in einigen Weltsprachen fällt dabei auch ein Satz, der als Essenz von Aufklärung durchgehen kann: „‚Teufel‘ ist nicht überall drin, wo ‚Teufel‘ draufsteht.“ Damit kann vielleicht nur noch Abaelards „Nulla rosa est“ (es gibt keine Rose) konkurrieren. Vorbildlich lehrreich. Und lustig blasphemisch, vorsichtig pornografisch und leicht hippiemäßig verfriemelt.

Text: Andreas Hahn

Foto: Brian Morrow

tip-Bewertung: Sehenswert

Im Namen der Rose Ballhaus Ost, Do 5.–Sa 7.7., 20 Uhr, Karten-Tel. 44 03 91 68

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