Theater

„Im Weißen Rößl“ in der Komischen Oper

Sebastian Baumgartens hat für seine Inszenierung „Im Weißen Rößl“ an der Komischen Oper extra das Orchester der BVG engagiert. Irm Hermann gibt einen lustgreisen österreichischen Kaiser. Das könnte davon ablenken, dass es dieser Inszenierung nicht um die Parodie, sondern um eine Wiederentdeckung der Revuen der Weimarer Republik geht.
„Im Weißen Rößl“ ist eine der erfolgreichsten dieser Revuen gewesen. Inzwischen konnte auch die Musik der Uraufführung rekonstruiert werden. In dieser Fassung hat sie einen eher jazzigen Grundton, ist die Walzer- und Folkloreseligkeit bereits deutlich als Karikatur erkennbar. So wie überhaupt das Urlaubs­idyll am Wolfgangsee in einem artifiziellen Vorkriegsösterreich mit Kaiser und Kaiserschmarrn in der Urfassung wohl schon als Karikatur eines sentimentalen touristischen Blicks gemeint war. Das Stück muss also gar nicht zerstört, sondern nur in diesem Sinne wiederbelebt  werden: Revue der Camp-Affirmation.
In Janina Audicks Bühnenbild wird das „Weiße Rößl“ entsprechend zu einer multifunktionalen Hütte, die je nach Bedürfnis als Geisterhöhle, Bordell, Kuhstall oder Lebkuchenhaus dienen kann.Die Darsteller stehen oft etwas verloren daneben, auch wenn sie ihre Schwierigkeiten mit den Anforderungen einer Revue, namentlich Singen und Tanzen, professionell charmant bewältigen. Das Problem der Inszenierung ist, dass sie zugleich zu viel und viel zu wenig vorhat. Camp, Kritik, historische Anspielungen auf Stummfilm-Horror oder Riefenstahl-Sportbilder werden gleichsam auf einen großen Haufen geworfen und folgenlos liegen gelassen.

Text: Andreas Hahn
tip-Bewertung: Zwiespältig

Im weißen Rössl
Komische Oper, Do 16.12., 19 Uhr

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