Theater

Immer Ärger mit Andrй

Wollen Sie zu Ihrem Dorffest irgendwo in Brandenburg gerne das Kinderballett der Deutschen Oper für einen kleinen Auftritt einladen, natürlich gratis und ohne Gage zu zahlen? Kein Problem, rufen Sie einfach in der Deutschen Oper an. Die regelt das zuvorkommend und unkompliziert. Falls sich die Oper allerdings über Ihren Anruf wundern sollte und Vokabeln wie „Honorar“ oder „Kosten“ oder „angemessener Rahmen“ fallen, könnte das daran liegen, dass Sie nicht Kulturstaatssekretär sind und auch nicht Andrй Schmitz heißen. Lustig und peinlich ist, wie die Deutsche Oper nach Öffentlichwerden der Gratis-Auftritte des Kinderballetts bei Schmitz’ Dorffesten treu­herzig so tut, als seien diese Gefälligkeiten für den Mann, der in Berlin nicht ganz unwesentlich die Kulturpolitik bestimmt hat, völlig normal.

Etwas weniger lustig ist, dass der offenbar ziemlich schamfreie Millionenerbe und Steuerhinterzieher Schmitz mit juristischen Schritten gedroht haben soll, um sich nach seinem nicht ganz freiwilligen Abschied vom Amt Übergangsgeld und ­Altersbezüge zu sichern: eine sechsstellige Summe aus Steuermitteln für den Steuerhinterzieher, der das Geld nicht nötig hat und sich bis vor Kurzem, natürlich völlig uneitel, in der Pose des Wohltäters gefiel.

Ebenfalls nicht sehr lustig ist, dass es Wowereit nicht besonders eilig hat, ­einen Nachfolger zu benennen. „Es gibt keine Notwendigkeit, sich zu überschlagen“, kommentiert er entsprechende Fragen gewohnt nonchalant. Erst mal ist Björn Böhning, dessen größte Lebensleistung bisher darin besteht, einmal ­Juso-Vorsitzender gewesen zu sein, Interims-Kulturstaatssekretär. Dass Kultur für Berlin nicht ganz unwichtig ist, dass es vom Neubau der Landesbibliothek bis zur Zukunft einiger Theater jede Menge Baustellen gibt, stört Wowereit offenbar nicht weiter. Jetzt verwaltet, bis auf Weiteres, ein durch Kulturkompetenz bisher nicht aufgefallener Parteisoldat die ­Berliner Kulturpolitik.

Mehr über Cookies erfahren