Theater

Interview mit Jasmin Tabatabai

JasminTabatabai_Dein Programm heißt „Eine Frau“. Was zeichnet diese aus?
Jasmin Tabatabei Zum einen handelt es sich auch um einen Song. Ich finde, dass es sich auch um einen guten Albumtitel handelt. Schließlich befindet sich darauf „erwachsene Musik“, die dem Alter entspricht, in dem sich meine Freunde und ich befinden. Das ist die Mitte des Lebens. Wir sind nicht mehr auf der Suche nach Identität, sondern Leben in einer Realität mit Familie. Bestimmte Erfahrungen sind somit durchlebt. Ich bin kein „Girl“ mehr, sondern eben eine „Frau“.
Ich halte den Titel für relativ neutral, aber somit öffnet er auch Interpretationsspielräume. Ich wurde auch schon gefragt, warum ich so einen provokant-feministischen Titel wählte.

Mit der Musik betrittst Du ebenfalls Neuland.
Jazz.

Hinsichtlich des Stiles, aber auch hinsichtlich der Komposition. Sonst schriebst Du die Musik selbst.
Das stimmt. David Klein war dafür verantwortlich.

War es schwierig loszulassen, wenn man knapp 20 Jahre selbst komponierte?
Nein, das war ehrlich gesagt auch sehr befreiend. Ich konnte mich endlich mal wieder auf den Gesang konzentrieren. Bei meinen selbst produzierten und selbst geschriebenen Platten war es immer so, dass ich mich um viele Produktionsprozesse gekümmert und deswegen oftmals den Demogesang genommen. Aber wollen wir auch mal ganz ehrlich sein, das war natürlich auch Popmusik und diese ist von der Struktur her, und das ist nicht wertend gemeint, auch einfach sehr viel simpler und einfacher. Letztlich aber für einen musikalischen Autodidakten und Analphabeten wie mich, leichter zu bewältigen. Jazz und Chanson stellten eine deutliche Herausforderung dar, freue mich aber diese anzunehmen. Dabei staune ich, wenn meine Band auch meine alten Songs im Jazz-Arrangement spielt. Das sind ja Lieder, die damals im WG-Zimmer mit der Akustik-Gitarre entstanden und plötzlich erklingen sie mit Bläsern.

Unterscheiden sich denn die Arrangements auf der Platte und live stark?
Live spiele ich mit einem Quartett. Es ist sehr viel rauer, roher und simpler als die doch sehr aufwendigen Arrangements mit Streichern und Bläsern auf der Platte.

David und Du seid Euch das erste Mal 1999 begegnet, warum hat es so lange bis zur Zusammenarbeit gedauert?
Er hat mir schon damals gesagt, ich solle eine Jazz-Platte aufnehmen. Aber das stand für mich gar nicht zur Debatte. Ich fühlte mich nicht als Jazz-Sängerin, aber gerade das hat ihm gefallen. Ich habe dann die frühen Aufnahmen von Shirley Horne angehört. Sie singt auch gänzlich frei von Manierismen, was ich total beeindruckend finde.

Dein Programm blickt ja sogar noch etwas weiter zurück. Du intonierst Tucholsky. Machen wir die Assoziationskette Weimarer Republik und „Wilde Bühne“ auf, was ja ästhetisch nah beieinander liegt.
Das ist neben den 60er-Jahren die einzige Zeit, in die ich mich gern zurückbeamen würde. Damals herrschte eine unheimliche Aufbruchsstimmung.

Das liegt eine Parallele zum Berlin der 90er-Jahre.
Stimmt. Ich bin sehr dankbar, dass ich in dieser Stadt schon seit zwanzig Jahren lebe und die Zeit in den 90ern mitbekommen habe. Es passierte so viel in öffentlichen Räumen. Nimm allein die illegalen Bars und Clubs. Heute kaum noch vorstellbar

Stichwort „Gentrifizierung“.
Naja, das „Früher war alles besser“ kenn ich schon, seit ich denken kann. In den 80ern sprachen alle davon, wie toll doch die beiden Jahrzehnte davor waren. In den 90ern fand keiner die aktuelle Zeit toll, da kann ich mich sehr gut dran erinnern. Alle echauffierten sich, wie toll es vor Mauerfall gewesen sei. Ich bin nach Pankow gezogen. Gentrifizere ich jetzt auch? Müssen wir immer dort leben, wo wir geboren sind? Ich bin vor 20 Jahren aus der Provinz nach Berlin gezogen und war dankbar, aufzuatmen. Wenn die alten Einwohner aber fast komplett vertrieben werden wie leider so oft am Prenzlauer Berg, dann ist das allerdings natürlich ein großes Problem. An Pankow gefällt mir, dass es noch eine schöne Mischung gibt. Es gibt dort noch ältere Herrschaften und richtige alte Pankower Familien.

Interview: Ronald Klein

Foto: Felix_Broede

Jasmin Tabatabai
15.-17.2. in der Bar jeder Vernunft

 

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