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Interview mit dem Kabarett-Duo „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie!“

DasGeldLiegtAufDerFensterbankMariFrau Eymess, Herr Müller, bei Ihnen gibt es zu Mitternacht Spagetti und einen Diskurs zum männlichen und weiblichen Denken. Derzeit diskutiert Deutschland Brüderles mitternächtliche Ausflüge an die Bar. Enthält der Nachhall des Brüderle-Satzes nicht selbst kabarettistisches Gehalt?
Wiebke Eymess Schön, dass Sie diese Frage stellen. Denn das gibt uns die Gelegenheit klarzustellen, dass es in unserem Programm nie um die Gegenüberstellung von „weiblichem“ oder „männlichem“ Denken geht – sondern vielmehr um menschliches Denken vs. menschliches Handeln. Was das Handeln eines gewissen ehemaligen rheinland-pfälzischen Weinbauministers angeht: Sowohl sein Ausflug, als auch dessen Nachhall böten sich natürlich für eine kabarettistische Auseinandersetzung an. Jeder der den Namen Brüderle aber einen ganzen Abend lang nicht hören möchte, sollte unbedingt unser Programm in der UFA-Fabrik besuchen!    

Frau Eymess, Sie haben selbst als Journalistin gearbeitet. Ist  die Diskussion für sie nachvollziehbar oder bewegen wir uns in die Zeiten des aseptischen Diskurses, in dem wir alles doppelplusgut finden?
Wiebke Eymess Klare Antwort: Jein.

Sie stammen beide aus Hannover. Ebenfalls eine Stadt, die lange als unauffällig galt (man denke an die Images von Fury and the Slaughterhouse oder Hannover 96), doch seit Christian Wulff ist alles anders. Wie inspirierend ist denn Hannover auf ein Kabarett-Duo?
Hatten Fury je eine Image? Sie vergessen außerdem die Scorpions. Und Lena natürlich. Für einen Hannoveraner ist Christian Wulff übrigens ein Osnabrücker. Ach, und der Massenmörder Haarmann. Und was ist mit Gerhard Schröder? Hannover ist eigentlich herrlich uninspirierend. Herrlich normal, durchschnittlich. Aber schöner als man denkt. Und weil das kaum einer weiß, ist es dort auch noch nicht so voll und hip – wie in … sagen wir … Berlin. – Aber nichts gegen Berlin! In Berlin gab es sicher auch ganz tolle Massenmörder!

2009 reisten Sie auf Einladung des Goethe Instituts nach Minsk, um dort Lehrern und Dozenten deutsche Kultur zu vermitteln. Wie sieht diese denn aus? Auf deutschen Bühnen sind typische Verhaltensmuster Ihrer Mitmenschen, der Stoff aus dem Programm ist – fingen Sie in Minsk an, Dinge zu verteidigen, die sie hier sonst eher ironisch beschreiben?

Also, da wir beide diplomierte Kulturwissenschaftler sind, könnten wir auf die Frage was Deutsche Kultur sei, sogar eine halbwegs kompetente Antwort geben, die natürlich immer die Unmöglichkeit eines Definitionsversuches reflektieren müsste. Genau deswegen haben wir in Belarus innerhalb kleiner Workshops auch nur Ausschnitte unserer Kultur vermittelt: Theater, Kabarett.
Belarus war tatsächlich so anders als Deutschland, dass wir dort die meiste Zeit Fragen über das fremde Land gestellt haben – anstatt unsere eigenen Lebensumstände zu verteidigen oder in Frage zu stellen. Letzteres tun wir allerdings ständig. Aber wenn wir in Deutschland unterwegs sind!    

Wie kam es eigentlich zu dem ungewöhnlichen Bandnamen?
Wieso ungewöhnlich? „Fury in the Slaugtherhouse“ – das ist ein bekloppter Name!

Ihr Terminkalender ist bis zum Sommer gefüllt – haben Sie dennoch Stoff für ein neues Programm?

Der Stoff geht einem nie aus. Vielleicht der Elan, vielleicht die Kreativität, vielleicht die Ideale – aber nie der Stoff. Wir aktualisieren unser Programm übrigens ständig. Nicht unbedingt um alle Brüderles und Schavans, die durchs Dorf getrieben werden. Aber was wir als akut empfinden kommt auf die Bühne!  

Interview: Ronald Klein

Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie
bis 16.2., 20 Uhr in der ufaFabrik

 

weitere Interviews:

Im Gespräch mit Puppenspieler Michael Hatzius

Martin Buchholz über „Kassandra, übernehmen Sie!“ 

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