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Interview mit Hans Werner Olm

Interview mit Hans Werner Olm

tip Herr Olm, Sie schlagen mit Ihrem neuen Programm den „Kuschelkurs“ ein. Das hat aber nichts mit Altersmilde zu tun!
Hans Werner Olm Nein, aber eher mit Erfahrungen. Das Granteln macht mir immer noch große Freude, nur der Ton ist vielleicht etwas milder geworden. Eigentlich wäre ich ein lieber, sympathischer, verständnisvoller Junge, so eine Art OLM 3.0 – jetzt besonders soft. Aber es will mir immer noch nicht so richtig gelingen. Im Grunde möchte ich eigentlich nur zeigen, wie viel Komik in unserer selbst gewählten Hilflosigkeit stecken kann.

tip Es ist Ihr mittlerweile 17. Programm – was ist der Schwerpunkt?
Hans Werner Olm Frei nach Nietzsche – das Menschliche und allzu Menschliche. Humor ist ja, wenn man sich aus der brutalen Realität einen Moment verabschiedet. Das ist so eine anarchische Synapsenschalte, um etwas mal anders zu sehen, als es fürs Überleben wichtig ist. Unter dem Motto: Lach doch, wenn es zum Weinen nicht reicht.

tip Darin singen Sie auch und spielen Gitarre. Wie sind Sie eigentlich zum Instrument gekommen?
Hans Werner Olm Mit 17 bekam ich vom Weihnachtsmann eine rote Framus-Schlaggitarre geschenkt, die ich nach drei Monaten für 40 Mark an meinem Kumpel Klaus Striedelmeyer verhökert habe. Worüber ich mich heute noch ärgere. Genau wie ich, sind die meisten Kabarettisten und Komiker verkappte Musiker. Leider hat es für den Frontman in einer Heavy-Metall Band nicht gereicht und als Leader einer Boygroup-Band war dann doch die Konkurrenz zu groß.

tip Sie haben 2012 deutsche Soldaten in Afghanistan besucht. Was war der Hintergrund der Reise?
Hans Werner Olm Die Idee stammte von meinem Kumpel Dietmar Wischmeyer, den Truppenbesuch gemeinsam zu machen. Da habe ich sofort zugesagt. In meinem Umfeld gab es natürlich Bedenken von allen Seiten. Plötzlich wurden Nachrichten aus Afghanistan aus einem anderen Blickwinkel gesehen. Die Sicherheitslage trat auf einmal in den Mittelpunkt. Bei mir nicht, weil ich mir nicht vorstellen konnte, das die Bundeswehr Leute nach Afghanistan zur Truppenbetreuung schickt, wenn man da unten auch nur in irgendeiner Weise gefährdeter ist, als würde man mit dem Auto über die A2 fahren. Was ich übrigens immer noch für gefährlicher halte.

tip Ursula von der Leyen sagt: „Mein Ziel ist es, die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland zu machen. Das wichtigste Thema ist dabei die Vereinbarkeit von Dienst und Familie.“ Lassen sich Krieg und Familie vereinbaren?
Hans Werner Olm Ich bin als leidenschaftlicher Kriegsdienstverweigerer, eben auch aus diesem Grund, da sich erstens Krieg und Familie nicht vereinbaren lassen und zweitens mir der Krieg in unserer Gesellschaft, den wir tagtäglich ausfechten schon genug ist.

tip Seit 1975 leben Sie in Berlin. Sie haben in den Wühlmäusen quasi ein Heimspiel. Inwieweit unterscheidet sich ein Auftritt hier von Herne, Tuttlingen oder München?
Hans Werner Olm Im Prinzip ist es das Gleiche. Herne, Tuttlingen oder München zusammengenommen, ergibt am Ende wieder Berlin. Echte Berliner sind ja rar gesät. Bei dem kulturellen (Über-) Angebot ist die Hauptstadt immer noch ein Gradmesser für jeden Künstler, weil: if you can make it here, dann kannst du es everywhere machen.

tip Wo entspannen Sie in der Stadt, was ist Ihr Lieblingsort?
Hans Werner Olm Die ganze Stadt ist eine grandiose Location. Ich lebe in Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Vorteil hier, es ist alles etwas entspannter und unaufgeregter. Mein Lieblingsort ist der große neue Heimwerkermarkt am Ku’Damm.

Interview: Ronald Klein

Foto: Büro Hans Werner Olm

Hans Werner Olm in den Wühlmäusen, Mo 29.9. + Di 30.9.

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