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Interview mit Henning Nass

Interview mit Henning Nass

tip Nach der „Klang der Offenbarung des Göttlichen“ (2014) ist „Krieg“ Ragnar Kjartanssons zweite Arbeit am Haus. In welcher Beziehung stehen beide Abende?
Henning Nass Es gibt eine ästhetische Beziehung. „Der Klang der Offenbarung des Göttlichen“ basiert auf einem Kapitel aus Halldor Laxness’ Roman „Weltlicht“. Das Stück kam ohne Darsteller und ohne Text aus. Ragnar Kjartanssons Komposition wurde durch wechselnde Tableaus visualisiert. „Krieg“ hinterfragt den Heldentod-Mythos, die Instrumentalisierung gefallener Soldaten. Das Herzstück ist Kjartanssons Komposition, aber diesmal gibt es mit Maximilian Brauer einen Schauspieler. Der hat allerdings keinen Text, sondern wird auf die sinfonische Umsetzung reagieren.

tip Befindet sich das Orchester in Bert Neumanns umgestaltetem Saal, den Carl Hegemann einen „säkularisierten Ort der Trauer“ nannte?
Henning Nass Das wäre wünschenswert, ist jedoch gegenwärtig nicht realisierbar, weil dann die Hinterbühne komplett durch Musiker besetzt wäre. Aus diesem Grund ließen wir die Babelsberger Sinfoniker das Werk einspielen. Die Aufzeichnung, die wir speziell auf die anspruchsvollen akustischen Bühnenverhältnisse abmischen ließen, kommt vom Band.

tip Am Tableau vivant, am belebten Bühnenbild, wurde aber festgehalten.
Henning Nass Genau. Doch während beim „Klang“ die Theatermaschinerie das Bühnenbild belebte, beispielsweise durch Schnee, leistet dies Maximlian Brauer in einem Schlachten-Panorama.

tip „Krieg“ wird im Rahmen der „Schwarzen Serie“ uraufgeführt. Welches Konzept verbirgt sich dahinter?
Henning Nass Es finden sieben Premieren in sieben Wochen statt, wobei die Uraufführung von „Krieg“ den Auftakt und die inhaltliche Klammer vorgibt. Kurz darauf folgt bereits „Troja“, in Szene gesetzt von jungen Mitarbeitern hier am Haus. Neben militärischen Konflikten wird auch der „Krieg der Worte“ in Lothar Trolles neuem Stück „Jona“ thematisiert, das Silvia Rieger inszeniert. Den Abschluss bildet die Tolstoi-Adaption „War And Peace“ des deutsch-englischen Performance-Kollektivs Gob Squad am 20. April.

tip Auffällig dabei sind die biblischen Motive: Der Titel „Exodus“ korrespondiert mit der „Apocalpyse“, die Herbert Fritsch im Juni auf die Bühne bringt. Das Tableau vivant ist wesentliches Stilmittel der Passionsspiele in Oberammergau. Gehört die Auseinandersetzung mit dem Sakralen ebenfalls zum Konzept des schwarzen Einheitsraums?
Henning Nass Ich könnte jetzt sagen: Das hat die Hausleitung alles perfekt geplant. Aber um ehrlich zu sein: Dem war nicht so. Das ist das Faszinierende an der Arbeit an der Volksbühne: Es gibt keine zentralistischen Vorgaben, aber die Konzepte von autark arbeitenden Künstlern, zu denen auch Herbert Fritsch gehört, korrespondieren ganz einfach miteinander.

Interview: Ronald Klein

Foto: Tabea Braun

Volksbühne Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte, Karten-Tel.: 24 06 57 77

Uraufführung: Fr 11.3., 20 Uhr

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