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„Piaf au Bar“ in der Bar jeder Vernunft

tip Sie haben in der Vergangenheit bereits die Piaf auf der Bühne verkörpert, was fasziniert Sie an dieser Künstlerpersönlichkeit?
Katharine Mehrling Erst einmal berührt mich die Piaf noch immer. Ich habe sie mit 19, 20 für mich entdeckt. Mein damaliger Freund, ein Halbfranzose, gab mir eine Kassette. Ich hörte sie rauf und runter, ich war gleichermaßen fasziniert, berauscht und berührt – das hat sich bis heute nicht geändert. Diese rohe Naturgewalt, die dahintersteckt und dieser Seelenstriptease in den Songs sind einfach unglaublich. Ich liebe die Geschichten, weil sie direkt ins Herz gehen und Bilder kreieren. Die Chansons erzählen von den einfachen Menschen, auch von Verlust und Tod. Zugleich steckt eine enorme Lebensfreude darin, die sich auch von Tiefschlägen nicht unterkriegen lässt, sondern immer wieder aufsteht und weitermacht, egal was passiert.

tip Sie sind ja sogar nach Paris gezogen, um auf den Spuren der Piaf zu wandeln. Was genau haben Sie entdeckt?
Katharine Mehrling Ich war ein halbes Jahr in Paris und habe dort als singende Kellnerin in einer Bar gearbeitet. Dort konnte ich sehr viel beobachten. Zugleich habe ich mich sehr intensiv mit dem Leben der Piaf beschäftigt, bin die Orte abgegangen, die für sie eine Bedeutung hatten. Ich habe versucht, mich auf eine Zeitreise zu begeben, was natürlich nicht mehr funktioniert. Das Paris der 60er-Jahre ist nicht konservierbar. Die Sehnsucht nach der Zeit bleibt jedoch präsent und ich versuche mit dem Programm eine Brücke zu schlagen zwischen Pariser Nostalgie und Berliner Jazz. Die Chansons 1:1 nachzuspielen, interessiert mich nicht. Ich interpretiere sie auf meine Art.

tip Wie ist Ihre Verbindung zum Jazz?
Katharine Mehrling Ich habe als Kind schon ganz viel Jazz hören müssen: In der Musikkneipe meiner Eltern spielte jeden Donnerstag eine Dixieland-Band. Am Anfang dachte ich: Was ist das denn für ein Krach? Und dann machte es irgendwann Klick, das kam durch Ella Fitzgerald und auf einmal hab ich den Zugang gefunden und war völlig infiziert.

tip Sie sind künstlerisch mittlerweile in mehreren Welten zu Hause, Operette, Musical, Schauspiel, Musik und waren ebenso in vielen Metropolen zu Hause: London, New York, Paris. Berlin als Lebens- und arbeitsmittelpunkt stellt somit eine bewusste Entscheidung dar?
Katharine Mehrling Absolut! Man kann die Stadt auch nicht mit den anderen Metropolen vergleichen. Berlin ist Berlin. Hier kann man sich künstlerisch frei entfalten und die Toleranz spiegelt sich im alltäglichen Leben wider. Berlin zieht unheimlich viele interessante Menschen an. Das ist in der Tat auch Klaus Wowereit zu verdanken. Er hat den Glamour in Berlin wiederbelebt.

tip Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin?
Katharine Mehrling Da gibt es viele! Ich bin wahnsinnig gerne in Mitte, speziell unter den Linden an der Komischen Oper. Ich trinke auch gern mal einen Soja-Latte im Prenzlauer Berg oder geh über den Winterfeldtmarkt in Schöneberg, aber am liebsten bin ich in Charlottenburg, das ist ja mein Kiez.

tip Zur Komischen Oper zieht es Sie nach „Ball im Savoy“ erneut. Dort stehen Sie in „Arizona Lady“ auf der Bühne. Was können Sie über das Stück verraten?
Katharine Mehrling
Das ist eine ungewöhnliche Operette von Emmerich Kбlmбn, die unterschiedliche musikalische Elemente miteinander verbindet. Es gibt broadwayartige Songs, sinfonische Elemente, filmmusikartige Streicherharmonien, und ungarische Lieder. Ich verkörpere eine Rancherin, die die Farm ihres Vaters übernommen hat, und die alleine leitet als Frau in einer Männerdomäne. Sie hat sich einen Panzer zugelegt und wirkt sehr resolut als Führungskraft. Dann steht da auf einmal so ein sexy Cowboy vor ihr und schafft es, ihr Herz zu erweichen. Wie das so ist in einer Operette.

Interview: Ronald Ehlert

Piaf au Bar
in der Bar jeder Vernunft, Schaperstr. 24, Wilmersdorf, ab 21.11. (Premiere) bis 30.11., Tel. 883 15 82

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