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Interview mit Paul McCarthy

Interview mit Paul McCarthy
Paul McCarthy, der vor wenigen Wochen 70 Jahre alt wurde, zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Künstlern der Gegenwart. Seine Werke, die zwischen Performance, Installationen und Aktionismus vielfältige Formen annehmen, sind häufig anstößig und gehen immer wieder von weithin bekannten Symbolen aus. Mit seinen provokanten Verfremdungen der populären Kultur steht er in einer großen Tradition, so hat er mehrfach mit Mike Kelley oder Jason Rhoades kooperiert, zwei bereits verstorbenen Stars der amerikanischen Kunstszene. Die Installation in der Volks­bühne ist Paul McCarthys erste Zusammenarbeit mit einem Theater.

tip Mr. McCarthy, Sie kommen mit der Groß­installation „Rebel Dabble Babble“, die Sie gemeinsam mit Ihrem Sohn Damon erarbeitet haben, nach Berlin an die Volks­bühne. Die Arbeit war davor in Los Angeles und New York zu sehen. Wird es eine Berliner Version geben?
Paul McCarthy Im Wesentlichen handelt es sich um dasselbe Werk, es war ja schon davor eine Art Bühnenbild oder ein Filmset. Im Zentrum stehen ein Bungalow und ein Haus, der Bungalow im Hotel Chateau Marmont ist berühmt, weil darin der Regisseur Nicholas Ray mit den Schauspielern Natalie Wood, James Dean und Sal Mineo den Film „Rebel without a Cause“ vorbereitet hat. Darum ranken sich zahlreiche Gerüchte, und von denen sind wir für unsere Filmarbeit ausgegangen. Das zweite Bild ist das Haus, in dem James Dean, oder Jimmy, wie er genannt wurde, aufwuchs. Diese beiden Gebäude werden wir auf der Bühne haben, und drumherum die Videoprojektionen, das werden wir alles entsprechend der Architektur der Volksbühne konfigurieren.

tip Kann das Publikum die Installation live begehen?
Paul McCarthy Wir werden auf jeden Fall die ganze Bühne verwenden und zugänglich machen, wie das im Detail aussieht, wird sich in den nächsten Tagen klären, da gibt es ja auch alle möglichen Sicherheitsbestimmungen zu berücksichtigen. Und wir möchten auch noch ein Live-Element hinzufügen und manche Szenen aus dem Filmmaterial vielleicht mit Schauspielern noch einmal neu auf die Bühne bringen.

tip „Rebel Dabble Babble“ existiert auch als Film, der immer noch weiter gedreht wird?
Paul McCarthy  Wir haben Teile auch einmal in einem Kino gezeigt, und es existiert eine Filmversion. Werke dieser Art entwickeln sich beständig weiter, wir schaffen ein neues Element, eine neue Verzweigung, wir schneiden daran. Werke dieser Art dauern Jahre.

tip Sie spielen auch selbst verschiedene Rollen in der Arbeit. Könnte es sein, dass Sie auch in Berlin auf der Bühne zu sehen sein werden?
Paul McCarthy Das weiß ich noch nicht.

tip Der Hollywoodstar James Franco hat Sie zu diesem Projekt inspiriert. Wie lief das genau?
Paul McCarthy James kam zu uns und fragte, ob es uns interessieren würde, etwas zu machen rund um die Gerüchte darüber, was in diesem Bungalow geschah. Ich sollte Nicholas Ray spielen, er wollte James Dean sein, für Natalie Wood mussten wir noch jemanden suchen. Auch die Mütter von James Dean und Natalie Wood sollten eine Rolle spielen. Ich habe dann mit Damon an Drehbuch­szenen und Ideen gearbeitet, wir haben gecastet, ein paar Tage mit James Franco gedreht, dann ist fast ein halbes Jahr nichts geschehen. Ich hatte das Gefühl, dass noch viel fehlte, und so begannen wir noch einmal zu drehen. Dieses Mal zogen wir James Deen hinzu, einen Star aus der Porno­branche. James Franco war dann nicht mehr dabei.

tip Sie machen eine Art Making-of  eines Hollywood-Klassikers. Ist das ein Projekt der Entmythologisierung?
Paul McCarthy Ich würde sagen, Hollywood wird abstrahiert. Es gibt, wenn man genau hinsieht, oder wenn man die Kunstgeschichte sehr gut kennt, Referenzen zu Arbeiten von Vito Acconci, Bruce Nauman oder Chris Burden. Zugleich spielen wir mit den Materialien, Wasser wird zu Champagner wird zu Bratensoße wird zu Scheiße. Und die Rollen gehen ineinander über, es gibt sogar Szenen, in denen ich Natalie Wood spiele. Wir beschäftigen uns mit dieser väterlichen Autorität, aber auch mit therapeutischer Macht.

tip Es gibt auch eine Ausstellung im Schinkel-Pavillon. Was werden Sie dort zeigen?
Paul McCarthy Während dieser ganzen Periode arbeiteten wir auch an einem weiteren Projekt, das sich mit Ganzkörper­abdrucken (live cast) beschäftigt. Ich zeige eine Skulptur, die einen sehr genauen Abdruck von mir darstellt, und weitere Arbeiten, in denen es um das Scannen von Körpern oder Gesichtern geht. Da gibt es viele untergründige Verbindungen zu den anderen Arbeiten von mir, manche reichen bis in die Sechziger­jahre zurück.

tip Wir finden das raus.
Paul McCarthy Vielleicht. (lacht) Für mich macht das alles Sinn, aber ob sich das auch erschließt?

Interview: Bert Rebhandl

Foto: Joshua White / Paul McCarthy / Courtesy Paul McCarthy and Damon McCarthy and Hauser & Wirth

Volksbühne Linienstr. 227, Mitte, „Rebel Dabble Babble“-Premiere: Sa 12.9.; bis 27.9., ?tgl. 19 Uhr, Karten-Tel. 24 06 57 77; zusätzlich 12.–27.9. je 18, 19, 20, 21 Uhr, „Van Gogh Revisited. Atelierbesichtigung“, Theo Altenberg/Paul McCarty (Probebühne Volksbühne)

Schinkel-Pavillon Oberwallstr. 1, Mitte, Do–So 12–18 Uhr, „Paul McCarthy – Horizontal“, 12.9.–15.11.

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