Kultur

Janis Martin ist tot

Janis Martin

Wagner sang Janis Martin schon ganz früh in ihrer Karriere. Da stand aber noch keineswegs fest, dass sie eine der ganz großen Kundrys, Brünn­hilden und Isolden werden sollte. Es waren kleine Partien – noch dazu in einem anderen Fach: eine Walküre, eine Norn, ein Blumenmädchen. Ihre Ausbildung erhielt sie in ihrer Heimatstadt Sacramento und in Berkeley. Seit 1960 stand sie auf der Bühne großer Opernhäuser. In San Francisco debütierte sie als Teresa in Vincenzo Bellinis „La sonnambula“, und nachdem sie 1962 das Finale der Metropolitan Opera National Council Auditions gewonnen hatte, sang sie auch regelmäßig im ersten New Yorker Opernhaus. Nach Deutschland kam sie schon 1965, zuerst nach Nürnberg, blieb aber regelmäßiger Gast in den USA. Ab 1970 bereitete sie den Wechsel ins Sopranfach vor, am Anfang standen Partien wie Ortrud, Venus und Kundry, die sowohl Sopranistinnen wie auch Mezzosopranistinnen in ihrem Repertoire haben, aber wer als Mezzosopran „daran nicht ‚stirbt‘“, wie sich Janis Martin selbst in einem Interview äußerte, ist wohl „ein latenter Sopran“.
1970 kam sie in das Ensemble der Deutschen Oper Berlin, ihre erste Premiere war am 16. Januar 1971 „Boris Godunow“ in der Schostakowitsch-Fassung, also noch eine Partie am Übergang zwischen Mezzosopran und Sopran. Auch Adriano in „Rienzi“, den sie 1980 in der konzertanten Aufführung sang, gehört zu diesen Partien, die schwer einzuordnen sind, weil sie vom Komponisten für eine bestimmte Sängerin (in diesem Fall Wilhelmine Schröder-Devrient) mit einem ungeheuren Tonumfang und außergewöhnlichen interpretatorischen Fähigkeiten komponiert wurde. Nach und nach kamen neben Tosca, die sie zuerst 1976 in San Francisco und später immer wieder auch in Berlin sang, die großen Strauss-Partien hinzu, für die sie ebenso berühmt wurde: Ariadne, die Feldmarschallin, Elektra, die Färberin.
Götz Friedrich setzte sie 1983 in seiner Inszenierung von Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ als Wagner-Primadonna ein, die Götter nämlich wurden angeführt von Hans Beirer und Astrid Varnay als Jupiter und Juno, William Pell und Gerd Feldhoff gehörten dazu und eben Janis Martin als Juno. Die Fernsehaufzeichnung am Neujahrstag 1984 ist inzwischen als DVD erschienen. 1986 war sie Rezia in der Neuinszenierung von Carl Maria von Webers selten gespielter Oper „Oberon“. Im alten „Ring des Nibelungen“ (von Gustav Rudolf Sellner in der Ausstattung von Fritz Wotruba inszeniert) sang sie noch Gutrune, in Götz Friedrichs Inszenierung übernahm sie die Brünnhilden von Catarina Ligendza nach deren Rückzug von der Bühne. Bis 1996 trat sie regelmäßig an der Deutschen Oper Berlin auf, zuletzt der Form nach als Gast, aber immer noch als Teil des großen internationalen Ensembles der Deutschen Oper Berlin. 2000 zog sie sich endgültig in ihre kalifornische Heimat zurück, wo sie seither unterrichtete.

Quelle: Deutsche Oper Berlin

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