Tanz

Jérôme Bel im HAU

Hier tanzen die Ideen: Der Choreograf Jérôme Bel in einer HAU-Werkschau

Gala
Dorothea Tuch

Zur Berlin Art Week zeigt das HAU eine kleine Werkschau des französischen Konzept-Choreografen Jérôme Bel, darunter das gut zwei Jahrzehnte alte und immer noch erstaunlich frische und interessante Stück, dessen Titel der Name des Künstlers ist: Jérôme Bel inszeniert „Jérôme Bel“. Um hier mal die ganz großen Vergleiche zu wagen: Ähnlich wie der Maler Gerhard Richter mit Mitteln der Malerei  über die Malerei und ihre Wahrnehmung nachdenkt, macht Jérôme Bel ein paar Grundlagen des seltsamen Vorgangs, dass Menschen sich mehr oder weniger strukturiert in einem Raum bewegen und andere ihnen dabei zusehen, zum eigentlichen Thema seiner Arbeiten. Er gewinnt ihm mit lässiger, französisch-intelligenter Ironie schöne Irritationseffekte ab.
Der Jérôme-Bel-Schwerpunkt im HAU passt nicht nur wegen der in der Bildenden Kunst beliebten Spiele mit der Selbstreflexibilität des Kunstwerks gut in das Umfeld der Art Week. Das Jérôme-Bel-Tripple ist nebenbei auch ein kleines Signal in Richtung Chris Dercon. Bekanntlich ist Dercon sehr stolz auf die Idee, an der Volksbühne im kommenden Jahr (geplant ist Dezember 2017) Jérôme Bels Stück „Show must go on“ zu reanimieren – sozusagen Jingle Bel(ls) im Weihnachtsgeschäft. „Show must go on“ war bei der Hamburger Uraufführung ein echter Hit – vor 15 Jahren. Das werden dann so die Höhepunkte der Ära Dercon sein, nettes Recycling, nun ja.  Eine Jérôme-Bel-Hommage macht das kleine HAU mal so nebenbei, aber nicht mit einem, sondern mit zwei Bel-Stücken.

Jérôme Bel“, HAU 2 15., 16.9. 20 Uhr, Eintritt 16,50-27,50, erm. 11 €
Gala“, HAU 1 17.9., 20 Uhr, Eintritt 8,80-22, erm. 7,15 €

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